Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1533392
ANMERKUNGEN 
UND 
BELEGE. 
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folgenreichllen Siege des Papflthums; die Fresken der Stanza d'Eliodoro, 
der Stanza dell' Incendio und des Conflantinfaales lind die künftlerifch 
monumentale Darflellung diefes Sieges und der durch diefen Sieg zur Herr- 
fchaft gelangten neuen hierarchifchen Ideenxr Dafs in die Fresken, be- 
fonders in jenen der Stanza d'Eli0d0ro, Anfpielungen auf die Gegenwart 
mitverwebt fmd, fagen bereits die Papflporträts, die aber nicht hier zum 
erilen Male vorkommen. Schon in der Stanza della Segnatura trägt der 
die Decretalen verkündigende Papfl die Maske ]ulius' II., und diefer 
Umfland war auch längfl bekannt. Neu ifl die Behauptung, dafs das 
Lateranifche Concil zu den Fresken der drei Stanzen die Anregung ge- 
geben, die letzteren jenes illuftriren und dafs die Verhandlungen des 
Concils mit der Chronologie der Fresken Schritt für Schritt übereinflimmen. 
Das Lateranifche Concil ifl. am 25. Mai 1512 eröffnet worden, die 
Fresken in der Stanza d'Eliodoro fallen infchriftlich in die Iahre 1512 
bis 1514. Drei Wandbilder fmd noch zu Lebzeiten Julius" 11. componirt, 
zwei während feiner Regierung auch ausgeführt worden. Die Zeitgrenze 
für diefelben bildet alfo der 2o.-2 r. Februar 1513. Noch früher als 
die Wandfresken fmd aber die Deckengemälde ausgeführt worden, in 
welchen bereits deutlich der Ton und der Gedankenkreis der grofsen 
Fresken zum Ausdrucke gelangt. Mit der Decke oder Wölbung beginnt 
nothwendig und regelrecht die malerifche Decoration eines Gemaches, 
und fo haben es auch alle Maler der Renaiffance gehalten. Sind die 
Fresken der Stanza d'Eli0d0r0 erft durch das lateranifche Concil infpirirt 
worden, fo hat Raffael die Deckenbilder und zwei Wandbilder im Laufe 
von acht Monaten entworfen und gemalt. Für die Heliodorfreske wurde 
kein unmittelbarer Anknüpfungspunkt an das Concil gefucht und fchon 
dadurch die Hypothefe in ihrer allgemeinen Giltigkeit aufgehoben. Das 
Attilabild gilt als mythifch idealifirende Darflelltmg der Ereigniffe nach 
der Schlacht bei Ravenna, welche am 11.April 1512 gefchlugen wurde. 
Da der Entwurf noch die Gellalt ]ulius' II. zeigt, fo liegt wieder zwifchen 
dem erflen äufseren Anlafs und der künillerifchen Wiedergabe ein kurzer 
Zeitraum von wenigen Monaten. Und als Leo das Attilabild zur Ver- 
herrlichung der Schlacht bei Novara (5.]uni 1513) beftimmte, denn fo 
wird. die Gegenwart Leo's auf der Freske erklärt, arbeitete wieder Ratfael 
mit einer Schnelligkeit, welche den modernen illuftrirten Zeitfchriften zur 
Ehre gereichen würde. Das Attilabild ill. nämlich nicht die jüngfte der 
Fresken, ihm folgt noch die Befreiung Petri, welche offenbar längere Zeit 
zu ihrer Ausführung brauchte, wegen der neuen Coloritaufgaben nicht 
geringe Schwierigkeiten bereitete. Endlich die Meffe von Bolfena. Sie 
wird mit den Verhandlungen des Concils über vdie Verjüngung des 
kirchlichen Geifles, über die herrfchende Verkäuflichkeit der geiftlichen 
Stellen, über die Ausfchreitungen der materialiflifchen Philofophiea in 
22'"
        

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