Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1533255
ANMERKUNGEN 
UND 
BELEGE. 
335 
mit fchwarzem Befatz, die weiten Aermel bräunlich roth. Eine urkund- 
liche Beglaubigung liegt für keines der beiden Frauenporträte vor. Dafs 
Raffael während feiner florentiner Periode den Herzog Guidobaldo von 
Urbino gemalt haben follte, beruht auf einer mifsverftandenen Stelle in 
einem Briefe Bembds. 
7) Welche Madonnen Raffael für den Herzog von Urbino gemalt hat, läfst 
f1ch nicht mehr mit Sicherheit beftimmen. Dem Winke Vafari's, welcher 
von wdue quadri piccolia fpricht, folgend, wird bald auf die h. Familie 
mit dem bartlofen ]ofeph in Petersburg, bald auf die Madonna Orleans, 
bald auf die Mad. unter dem Palmbaume gefchloffen. Der von Vafari 
erwähnte Chriflus auf dem Oelberge ift gewifs nicht mit dem Gemälde 
in der Londoner Nationalgalerie, einer fchwächlichen Leiftung der umbri- 
fchen Schule, identifch. Dagegen herrfcht kein Zweifel, dafs der h. Georg 
in Petersburg auf Beflellung des Herzogs von Urbino gemalt wurde. 
Die Behauptung, dafs der h. Georg und Michael im Louvre, der 'l"raum 
eines Ritters und die drei Grazien den gleichen Urfprung befafsen, ruht 
auf keinem fachlichen Grunde. 
S) Die Federzeichnung in der Albertina (Br. 186) zeigt einen räthfelhaften 
Charakter. Sie wird gewöhnlich als Skizze zur Caritas auf der Predella 
der Grablegung angefehen, deckt f1ch auch mit dem kleinen grau in 
grau ausgeführten Bilde in wefentlichen Punkten. Dennoch halt es 
fchwer, diefelbe Raffael zuzufchreiben, da fie nach allen Merkmalen des 
Stiles auf Michelangelo und zwar auf deffen frühere Zeit zurückgeführt 
werden mufs. In Einzelheiten weicht die Skizze übrigens von der 
Predella ab. Der Kopf der Madonna, überhaupt in mächtigeren Formen 
gehalten, ifi mehr geneigt, nach rechts blickend. Auf dem Bilde umfafst 
fie die drei Kinder mit beiden Händen, auf der Skizze hält fre die 
Linke am Bufen. Die Annbewegung erfcheint vollkommen verfchoben. 
Der Knabe rechts umfafst mit einer Hand das nächftftehende Kind, 
auf der Skizze fehlt das letztere, der Knabe greift mit beiden Händen 
nach Bruft und Schulter der Caritas. Auch der vorderfte Knabe links 
legt die eine Hand auf die Bruft der Caritas und ift ganz frchtbar, 
während auf der Predella fein Oberleib vom Arm der Caritas verdeckt 
wird. Der Torfo derfelben zeigt überhaupt eine andere Wendung, ift 
auf der Zeichnung ungleich mehr en face geflellt. Diefe Abweichungen 
würden an f1ch nicht hinreichen, der Federzeichnung einen andern 
Urfprung, als er bisher angenommen wurde, zu geben. Die Entfcheidung 
liegt bei den ftiliftifchen Merkmalen. Die Finger in lange Spitzen aus- 
laufen zu laffen, den Fufs übermäfsig zu höhlen, Hand und Arm 
durch einen Querftrich fcharf zu trennen, das alles lag damals nicht in 
Raffaefs Gewohnheiten, entfpricht dagegen vollftändigider älteren Weife 
Michelangelds. Dazu kommt noch ein weiterer Umftand. Die Rückfeite
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.