Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1533240
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RAFFAEL 
UND 
MICHELANGELO. 
fleckt. In der Madonna mit dem Schleier (Sommeil de Yenfant) 
hebt die Madonna von dem Kinde den Schleier, um es in feinem 
Schlummer {lill zu belaufchen. Zur Seite kniet der kleine Iohannes und 
weift mit dem Finger, das Geficht dem Befchauer zukehrend, auf den 
fchlafenden Chriflus. Den Carton befitzt die Akademie in Florenz. Beide 
Compofitionen fallen in die. letzten Horentiner Jahre. Dasfelbe gilt auch von 
zwei gröfseren. Compofitionen zur h. Familie, von welchen die eine, von 
fremder Hand ausgeführt, fich im Mufeum in Stockholm befindet, die 
andere zur Grundlage für ein Gemälde des Raffael befreundeten Donienico 
di Paris Alfani oder deffen Sohnes Orazio, jetzt in der Stadtgalerie in Perugia, 
diente. Der Entwurf zur h. Familie in Stockholm (Windfor. Ph. 11), 
mit der Feder in Sepia gezeichnet, zeigt rechts die Madonna auf einem 
Steinblocke fitzend, mit dein Chriftuskinde zwifchen den Beinen, welches 
fich zurückbeugt, gleichfam erfchrocken über die {lürmifche Huldigung 
des kleinen Johannes. Diefer, von der knieenden h. Elifabeth umfafst, 
eilt dem Chriftkind entgegen und greift mit beiden Händen nach deffen 
Arm, das Geficht dabei der Madonna zuwendend. Noch figurenreicher 
ift die Compofition zu dem anderen Bilde, welche uns eine fchraffirte 
Federzeichnung in Lille (Br. 86) vor die Augen bringt. Auf der Rück- 
feite des Blattes befindet fich der kurze Brief Raffaels (Siehe oben 
S. 136) RaffaeTs an Doinenico Alfani. Die Mitte des Vordergrundes 
nimmt die bequem ruhende Madonna ein, an deren Schoofs fich das 
{lebende Chriftuskind anlehnt, begehrlich einen Apfel betrachtend, welchen 
ihm der rechts fitzende jofeph vorhält. Links fleht in ein kurzes Röckchen 
gehüllt, der johannesknabe, den Kopf fafl gleichgültig dem Befchauer 
zukehrend. Diefe Gruppe nimmt die ganze Breite des bereits mit dem 
Liniennetze überzogenen Blattes ein. Hinter ihr fleht links eine ältere, 
theilnehmend der Scene zufchauende Frau, rechts ein bärtiger Mann. 
Fünf kleine Engel fchweben in den Lüften, drei rnuficirend, zwei nur als 
geflügelte Köpfe charakterifirt. Die Verwandtfchaft befonders der Madonna 
mit den Typen in der Grablegung fällt fofort in die Augen. 
Das Porträt einer Unbekannten in der Tribuna (N0. 1220) zeigt eine 
junge Dame, welche das Geficht leicht nach rechts wendet. Sie hat die 
Haare in ein feines Netz gefteckt, über dem grünen, rothgefäumten 
Mieder ein kleines Kreuz an einer Goldkette hängen und trägt weite, 
gleichfalls mit rothen Bändern aufgeputzte Aerniel. Die rechte Hand 
ftützt fie auf eine Baluflrade, die linke hat fie auf den rechten Vorder- 
arm gelegt. Am meifren intact find die fchönen vollen Hände, mit ge- 
{lricheltem Farbenauftrag.  Die fogenannte donna gravida in der Pitti- 
galerie (Saal der Ilias N0. 229) hat den Kopf nach rechts gewendet, 
die eine Hand auf den Leib gelegt und hält in der anderen ein Paar 
Handfchuhe. Das Haarnetz ifl mit Gold durchwebt, das Mieder gelb
        

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