Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1533196
ANMERKUNGEN 
UND 
BELEGE. 
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ohne mannigfachen Widerfpmch, zugefchrieben wird. Auch Perugino und 
Pinturicchio treten auf den Plan. Leugnen läfst fich nicht, dafs die 
Federzeichnung einen fremdartigen Charakter befitzt. Am auffallendften 
erfcheint der gefpreizte Daumen, der grofse Zwifchenraum zwifchen 
Daumen und Zeigefinger, der geknickte kleine Finger. Auch die Falten 
find anders als gewöhnlich bei Raffael gelegt, mit Augen verfehen, 
knittriger im Charakter. Diefe Merkmale wiederholen {ich übrigens bei 
mehreren anderen Blättern (Louvre Br. 250, Uffizi Br. 501 u. a), welche 
dann gleichfalls, wenn das Blatt in der Albertina nicht Raffael gehört, 
diefem abgefprochen werden müfsten. Wunderbar wäre es nicht, dafs 
fich Raffael in der erften Zeit, als er noch in Peruginds Werkftätte 
weilte, nach fremden Vorlagen richten mufste, nicht weil er unfähig 
war, felbftändige Compofitionen zu entwerfen, fondern weil es der 
Befleller fo wollte. Das Tafelbild in Berlin bleibt jedenfalls Raffaels 
Werk. Diefes beweiit der landfchaftliche Hintergrund, die Thurm- 
bauten, welche auch auf anderen Zeichnungen (Oxford Br. ro, Louvre 
Br. 2 55) und Gemälden (Predella mit der Verkündigung auf dem Bilde 
der Krönung Mariae) wiederkehren. (Ich verfuchte die Bilder und Zeich- 
nungen aus der Jugend Raffaefs bis 1508 nach den landfchaftlichen 
Hintergründen zu ordnen, um vielleicht eine Handhabe für die Chrono- 
logie zu gewinnen. Das letztere ifl mir bis jetzt nicht gelungen und 
ich glaube auch nicht, dafs Raffael immer erft ein landfchaftliches Motiv 
vollitändig ausbeutete, ehe er zu einem anderen überging. Immerhin 
liefsen fich mehrere Hauptmotive, die für Raffael charakteriftifch find 
und in den einzelnen Zeitabfchnitten vorherrfchen, entdecken. Die ein- 
gehende Erörterung des intereffanten Gegenitandes bleibt einer Special- 
ftudie vorbehalten.) _ 
Aehnlich wie mit der Madonna mit den zwei Heiligen verhält es 
{ich mit der Madonna Solly, welche ebenfalls in der Berliner Galerie 
bewahrt wird. Die Madonna (Halbügur) lieft in einem Buche, welches 
fie in der Rechten hält und unterflützt mit der Linken den Fufs des auf 
ihrem Schoofse fitzenden Chriftkindes. Diefes fpielt mit einen Stieglitz, 
hält aber die Augen auf das Buch gerichtet. Der Hintergrund zeigt 
links einen bewachfenen Hügel, mit fünf dünnen Bäumchen bepflanzt, 
rechts leicht anlteigendes grünes Gelände. Der Ausgangspunkt der Com- 
pofition ift in einer Federzeichnung im Louvre (Br. 2 50) zu fuchen, welche 
nicht blos in der Zeichnung der Hände und des Kopfes von Raffaefs 
fonft üblicher Weife abweicht, fondern auch in Einzelheiten von dem 
Gemälde fich unterfcheidet. Das Chriftkind faltet z. B. auf der Zeichnung 
die Hände, während es auf dem Bilde in der Linken den Vogel, in der 
Rechten den Faden hält, an welchem jener befeftigt ift.  Wenn in der 
Madonna Solly (in dem fpielenden Kinde) ein Zug angedeutet wird,
        

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