Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1533164
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RAFFAEL 
UND 
MICHELANGELO. 
einer Autographenauction in Paris zum Vorfchein. Der Käufer itt nicht 
bekannt geworden, ebenfo wenig hat man damals die Gelegenheit benutzt, 
das Schriftftück auf Echtheit und Stil zu prüfen. Denn bekanntlich 
hat eine Stelle in demfelben: ae perche il padre so che e molto virtuoso 
ed e mio affezionatoa Bedenken erregt, da fie in diefer Faffung den 
alten Giovanni Santi noch 1504 am Leben läfst. Es wurden daher 
mehrere Correcturent il padre suto oder (Milanefi IV. 320) il padre f o, 
im Dialect der Marken und Umbriens für f u gebraucht, vorgefchlagen 
und die folgenden Worte: che e als Interpolation Bottaris in den lettere 
pittoriche befeitigt. Die Stelle lautet dann: perche il padre fo molto 
virtuofo e mio affezionato e cosi il frgliuolo discreto e gentile. Aufser 
der ftiliftifchen Schwierigkeit liegt kein anderer Grund vor, an der Echt- 
heit des Briefes zu zweifeln. 
7) RaffaePs Antheil an den Fresken Pinturicchio's in Siena. 
Den Auftrag, die am Dom von Siena angebaute Libreria mit Fresken 
zu fchmücken, empfing Pinturicchio vom Cardinal Francesco Piccolomini 
am 29. Juni 1502. Er begann 1503 mit der Ausfchmückung der Decke. 
Die Arbeit erlitt durch den Tod des auf den päpfllichen Thron (unter 
dem Namen Pius III.) erhobenen Cardinals eine längere Unterbrechung. 
Zwifchen den fünf erften und fünf letzten Fresken herrfcht in Bezug auf 
die Tüchtigkeit der Ausfühnmg ein fo grofser Unterfchied, die letzteren 
find offenbar von einer fchon ennüdeten Hand entworfen und gemalt, 
dafs man wohl an eine gröfsere Paufe zwifchen den beiden Hälften des 
Werkes denken darf. Mit Eifer und Fleifs hat Pinturicchio die Arbeit 
begonnen, mechanifch, mit trockener Handfertigkeit vollendet. Zu den 
Wandfresken, welche in zehn Bildern das Leben des Aeneas Sylvius ver- 
herrlichen, hat Raffael, wie Vafari einmal (III. 494) verfichert: xgli schizzi 
e i cartoni di tutte le storiea, und wie er wieder ein anderes Mal (IV. 319) 
erzählt: xalcuni di disegni e cartonia gezeichnet. (In der erften Ausgabe 
hat Vafari RaffaePs Antheil an den betreffenden beiden Stellen, im 
Leben Pinturicchids und dann im Leben Raffaefs anders begrenzt. Da 
fchreibt er ihm nur die Cartons nach den Skizzen  di tutti gli schizzi 
fece i cartoni  zu und giebt an, dafs Pinturicchio von Raffael alle 
vvdisegni e cartonia begehrt, diefer ihm aber nur walcunix geliefert habe.) 
Weitere Nachrichten über Raffaefs Antheil liegen nicht vor. Auf Grund 
der Angaben bei Vafari wurde nach Raffaelifchen Skizzen und Cartons 
gefpähet. Zu dem erflen Gemälde: Abreife des Aeneas Sylvius zum 
Bafeler Concil gehört eine forgfältige Bifterzeichnung in den Uffrzi 
(Br. 510). Sie unterfcheidet fich von der Freske durch den veränderten 
Hintergrund; Aen. Sylvius trägt ferner ein anliegendes Gewand, der Reiter 
links hält keinen Hund an der Leine und neigt weniger ftark den Kopf. 
Die Zeichnung ilt bereits mit einem Liniennetze verfehen, um auf den
        

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