Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1533141
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RAFFAEL 
UND 
MICHELANGELO. 
3) Peruginds Wanderleben in den neunziger Iahren des Quattrocento und 
feine faft ftändige Abwefenheit von Perugia während diefer Zeit wird 
durch folgende meift urkundliche Daten ficher geflellt. 
1495 malt Perugino die Klage um den Leichnam Chrilli für die 
Nonnen von S. Chiara in Florenz; er macht in Perugia einen Contract, 
die Himmelfahrt und Vermählung Mariae zu malen, aber noch im jahre 
1500 hat er nicht die Hand angelegt, wohl ein Beweis; dafs er flch alfo 
bald Wieder von Perugia entfernte. In der That finden wir ihn 1496 
in Venedig, wahrfcheinlich auch in Cremona. Er malt femer die Freske 
in S. Maria de" Pazzi in Florenz und kauft dafelbft im Herbile ein 
Grundflück, um fich darauf ein Haus zu bauen. Er heifst in dem 
Kaufacte: habitator in populo S. Petri majoris, wird alfo als in Florenz 
anfäfsig betrachtet. 
1497 ifl Perugino in Fano thätig, aufserdem nimmt er Theil in 
Florenz an der Abfchätzung eines Gemäldes des Aleffo Baldovinetti. 
1498 wird er als Sachveritändiger zu den Verhandlungen über die 
Errichtung der Laterne am Dom zu Florenz zugezogen und kauft ein Haus 
in der Via Pinti. In demfelben Jahre verhandelt er mit der Domverwal- 
tung in Orvieto, wegen der Ausmalung der Kuppel, hegt alfo offenbar 
nicht die Abficht, fich in Perugia niederzulaffen. 
1499 läfst er flch bei der Malerzunft in Florenz einfchreiben. 
Peruginds ausgedehnte Thätigkeit in der Kirche und im Klofter der In- 
gefuati bei Florenz kann nicht genau datirt werden, fällt aber gleichfalls 
in die neunziger Jahre. Wie fehr man gewöhnt war, ihn in Florenz 
thätig zu denken, beweift die Stelle bei Albertini: Perufino, benche si 
puo dire Florentino. 
4) Der Raffaelifche Urfprung des Skizzenbuches, welches jetzt, in Einzelblätter 
aufgelöil, die Akademie in Venedig befltzt, ifl in der jüngften Zeit von 
Lermolief f und von Kahl (Das Venezianifche Skizzenbuch, Leipzig 
1882) nicht blos angefochten, fondem auch vollkommen widerlegt worden. 
Crowe und Cavalcafelle haben in ihrer Biographie RaffaeFs die gründ- 
lichen Unterfuchungen Kahl's unbeachtet gelaffen, halten den Raffaelifchen 
Urfprung aufrecht und Hellen folgende Hypothefe auf. Der Knabe Raffael 
(Cr. und Cav. laffen ihn bereits 1495 in die Werkflätte Peruginds ein- 
treten) legte fich, den Vorfchriften Cenninfs entfprechend, ein Zeichenbuch 
an, in welchem er alle vom Lehrer ihm geilellten Aufgaben ausführte. 
Zuerft wird er angeleitet, mit Hilfe eines Gradnetzes Figuren nach Vor- 
lagen abzuzeichnen. Sobald er darin Uebung erlangt, wird die Efelsbrücke 
des Gradnetzes abgeworfen und Raffael copirt die Figuren ohne Gradnetz. 
Sodann läfst ihn Perugino Köpfe zeichnen, wieder nicht nach der Natur, 
fondern nach älteren Muftern. Vorn Studium drapirter Figuren geht 
fodann Raffael zur Darflellung nackter Figuren über. Als er 1499-15oo
        

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