Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1533098
ANMERKUNGEN 
UNI) 
BELEGE. 
309 
keine Zuge, welche zwingend auf Michelangelo als Künfller hinweifen. 
Wir beobachten bei der Papftfigur die Falten dicht gelegt und tief gebohrt, 
bei dem Bifchof das Standbein {tark markirt, bei den Apofleln die Be- 
handlung des Mantels und des Gewandes abfichtlich contraitirend. Die 
Köpfe find bei allen vier Figuren minder charakteriftifch im Schnitt und 
im Ausdruck, als wir es bei Michelangelo erwarten. Aus diefem That- 
beftande erklärt fich, weshalb eine Nifche leer geblieben und die oberen 
Theile des decorativen Baues eine Aendemng erfahren haben. So wie 
derfelbe üch gegenwärtig dem Auge zeigt, hatten die vorgefchlagenen 
fechszehn Figuren keinen Platz gefunden. 
In genauerer Faffung als bei Gaye II, 455 ift das Protocoll der Ver- 
fammlung bei Milanefi p. 620 abgedruckt. Ueber die Vorfälle bei 
dem Transport der Statue nach dem Platz der Signorie berichten die 
Ricordi Strozziani bei Gaye II. 464: wln questa notte fu gittato certi 
sassi al Gigante per far malexr Da wir von keinem Zwiefpalt unter 
Künfllern hören, müffen wir wohl annehmen, dafs eine politifche Partei, 
die Gegner der Medici, auf diefe Weife dem Aerger über die Entfernung 
der Trophäe der Volksfreiheit Ausdruck gab, Die Verhandlungen, welche 
der Uebertragung der Statue nach der Academie in unferen Tagen voran- 
gingen, ftehen bei Gotti Bd. II. p. 35. Bei den Unruhen 1527 war 
durch einen Steinwurf der linke Arm in drei Stücke zerfchlagen worden. 
Er wurde mit Hilfe von Kupferklammern wieder befeftigt. Vafari VII. 8. 
Das Relief in Florenz zeigt die Madonna auf einem niedrigen Steine 
fitzend mit einem geöffneten Buche auf ihrem Schoofse, auf welches der 
von ihr umfafste Chriftusknabe {ich llützt. Links hinter der Madonna 
ift der Kopf des Johannes fichtbar. Viel bewegter erfcheint die Gruppe 
in dem Londoner Werke (Burlington-House). Der, kleine Johannes fteht 
rechts und hält dem Chriftuskinde einen nicht deutlichen Gegenftand 
entgegen, von welchem das Chriftuskind halb erfchreckt zurückweicht. 
Es fitzt rittlings auf dem Schoofs der im Profil gezeichneten Madonna 
und neigt {ich mit dem Körper der Mutter zu, nur der Kopf ifl nach 
dem Johannes hingewendet. Nach der technifchen Behandlung möchte 
man diefes Relief für älter erachten als das Horentiner, welches letztere 
mehr mit der Brügger Madonna zufammengeht. Noch in diefe erite 
Periode Michelangelds, welche mit dem Jahre 1508 abfchliefst, mufs 
auch die Anlage der Adonisflatue im Mufeo nazionale in Florenz 
fallen. Gewöhnlich wird der Adonis in das fpätere Alter Michelangelds 
verfetzt. Dagegen fpricht die Art, wie der Marmor bearbeitet ift, und 
die hageren geftreckten Formen, welche, wie erhaltene Handzeiehnungen 
verrathen, Michelangelo gerade in jüngeren Jahren liebte. Adonis liegt, 
den Oberkörper etwas nach links gewendet, {terbend auf dem Boden. 
Der eine Arm ftiitzt den Iinkenden Kopf, der andere legt {ich erfchlafft
        

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