Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1533082
308 
RAFFAEL 
UND 
MICHELANGELO. 
Aenderung in der Bekrönung des Baues vermuthen laffen. Die architec- 
tonifche Gliederung des letzteren ifl folgende: Zu beiden Seiten der Altar- 
nifche treten zunächft deeorirte Pfeiler vor. Die Sockel jedes Pfeilers 
enthalten in eingerahmten Feldern die Wappen des Piccolomini; darüber 
zwifchen cannelirten Pilaftern in kleinen Nifchen {lehen links die Statuette 
des h. Franciscus, rechts, ohne befondere Attribute, eine Apoilelfigur. 
Durch ein fchmales Geüms getrennt, erheben fich darüber, gleichfalls in 
Nifchen und von ornamentirten Pilaflern eingefafst, links die Statue eines 
Papftes (Gregorius), rechts eines Bifchofs (Pius). Ein kräftiges antikifirendes 
Kranzgefims bildet über dem Bogen der Altarnifche den Abfchlufs. 
(Die Infchrift auf dem Streifen unmittelbar über dem Bogen lautet: Fran. 
Piccolom. Car. Senen. Pii II. Pont. Max. Nepos). Darauf folgt der 
krönende Aufbau: links und rechts zwei fchmale Nifchen zwifchen 
Pilaftem, jene linke mit einer Apoftelügur ausgefüllt, die andere rechts 
leer; in der Mitte eine tiefer gewölbte Nifche mit der Statue der Ma- 
donna. Zwifchen den Nifchen find Felder angebracht, welche mit Relief- 
bildern: Engel, welche einen Candelaber aufrichten, gefchmückt fmd. Die 
Seitennifchen find mit Rundgiebeln abgefchloffen, über der Mittelnifche 
erhebt {ich noch eine Art Halbgefchofs oder Attika, mit einem kräftigeren 
Giebel gekrönt. Nur an dem plaftifchen Schmucke war Michelangelo 
betheiligt. Aus den Contracten Michelangelds mit der Familie Piccolo- 
rnini erfahren wir, dafs ihm fünfzehn Figuren, Apoftel und Heilige zur 
Ausführung in Marmor aufgetragen wurden und er flch aufserdem ver- 
pliichtete, die von Torrigiani begonnene Statue des h. Franciscus zu 
vollenden. Einzelne Statuen werden genauer befchrieben. Die Spitze 
des Denkmales follte eine Chriftusflatue krönen, in der gröfseren Mittel- 
nifche (ne la tribuna grande di mezo) Chriflus mit den hh. Thomas und 
Johannes ilehen, aufserdem zwei blafende Engel die Ecken des Kranz- 
gefimfes fchmücken. Wir erfahren dann weiter, dafs Michelangelo, ehe 
er an das Werk fchritt, Siena befucht und fich über den Platz der Auf- 
ftellung unterrichtet hat und dafs er 1504 vier Figuren fertig abgeliefert. 
Verknüpfen wir mit diefen Nachrichten den Augenfchein, fo ergiebt {ich 
Folgendes: Der Chriftus, die Gruppe Chrifti mit Thomas und Johannes, 
fowie die zwei Engel fehlen. Die Madonna in der Mittelnifche ift offenbar 
fpäter an die Stelle der urfprünglich vorgefchlagenen Chriilusgruppe ge- 
treten. Den Franciscus des Torrigiani, im Stile von den andem Figuren 
ganz abweichend, mit flachem dürftig ausgearbeitetem Gefälte identiflciren 
wir in der Statue links unten. Es bleiben noch vier Figuren übrig, 
offenbar jene, welche Michelangelo 1504 fertig geftellt hat. Sie {lehen 
in der technifchen Behandlung dem Engel in Bologna ganz nahe. Diefes 
gilt insbefondere von den Gewändern der beiden Apoflel. Die Geftalten 
des Papftes und Bifchofs offenbaren eine geringere Individualität und
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.