Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1533059
ANMERKUNGEN 
UNI) 
BELEGE. 
305 
wohin fie aus einem ilorentiner Trödelladen 1817 gelangte. Im Iahre 
1880 kam fie in den Beütz des Berliner Mufeums. Als Michelangelds 
Werk wurde fie eigentlich erft bei Gelegenheit des Michelangelofeftes 
1875 in weiteren Kreifen, doch nicht ohne heftigen Widerfpruch bekannt. 
Früher galt fie als eine Arbeit Donatellds, auch jetzt wollen Einzelne 
z. B. Milanefi in ihr das Werk des Civitali erblicken. Bode (jahrb. der 
Pr. Kunftfammlungen II. 72) hat mit kräftigen Gründen Michelangelo's 
Urheberfchaft vertheidigt. Es läfst fich nicht leugnen, dafs der Giovannino, 
ein nackter Jüngling, der in der gefenkten Linken eine Honigwabe hält, 
mit der Rechten im Begriffe fleht, das mit Honig gefüllte Ziegenhorn 
zum Munde zu führen, für den erften Anblick viel Befremdendes zeigt. 
Vor Allem, wer unmittelbar von dem Grabengel in Bologna kommt, hat 
Mühe, im Giwannino michelangeleske Züge zu entdecken. Das Werk 
offenbart einerfeits eine merkwürdig fichere, faft raffinirte Technik, welche 
für eine gereifte Erfahrung fpricht und bekundet aufserdem ein eingehendes 
Studium der Antike, geht aber andererfeits in dem naturaliilifch behandelten 
Kopfe  der Mund ift geöffnet, die Zunge zur Aufnahme des Honigs 
vorgeftreckt  {lark in die Geleife des Quattrocento zurück. Der Kopf 
nebenbei gefagt, ifl entfchieden der häfslichile Theil der Statue. Hat 
Michelangelo diefelbe gefchaffen, und Bodes Gründe dafür find fchwer- 
wiegender Art, fo kann das Disparate und Widerfpruchsvolle in der 
Formengebung nur aus der antodidaktifchen Bildung Michelangelds erklärt 
werden. Von jeder {lrengen Schulfeffel frei, verarbeitete Michelangelo 
die verfchiedenen Einflüffe, welche auf ihn einftrömten und unter welchen 
neben Donatello die Antike einen hervorragenden Platz einnimmt, nach 
feiner Eigenart, ohne fre noch organifch zu verbinden. Schade, dafs der 
lebensgrofse Hercules aus Marmor, welchen Vafari als eine frühe Jugend- 
arbeit fchildert, verfchollen ift. Wir befäfsen dann mehr Vergleichungs- 
punkte. Der Hercules {land im Palazzo Strozzi, wurde 1529 durch 
Vermittelung des Giambattifla della Palla an König Franz I. verkauft und 
im Schloffe zu Fontainebleau aufgellellt. Dort (im jardin de Yestang) 
befand er [ich noch 1642. Seitdem fehlen alle weiteren Nachrichten. 
7) Zu den Acten über den geflügelten Amor gehören r) ein Brief Michel- 
angelds an Lorenzo di Pierofrancesco aus Rom 2. Juli 1496 (Milanefr, 
Lett.), worin er fein Gefpräch mit Baldaffare del Milanefe fchildert. 
Diefer erklärt, er würde lieber das Kind in hundert Stücke zerfchlagen 
als zurückgeben. Er hätte es gekauft und es wäre nun fein eigen. 2) Der 
Cupido kam (Condivi) gleich darauf in die Hände des Cesare Borgia 
und von diefem als Gefchenk in den Befrtz des Herzogs von Urbino. 
Nach der Eroberung von Urbino kam er (und eine Venus) wieder in die 
Hände Cesare Borgia's zurück. 3) Ein Brief der Marfgräfin Ifabella von 
Mantua. (Gaye II. N0. V.) belehrt uns dann über die Umitände, unter 
Springer. RalTael und Michelangelo. I. 20
        

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