Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1530113
DIE 
PIET A 
IN 
ROM. 
I9 
450 Dukaten  und der Zahlungsfriften wurde am 27. Auguft 1498 
abgefchloffenfg) 
An Michelangelds Stelle unterfchrieb den Vertrag der ihm be- 
freundete jacopo Galli._ Er verfprach nicht 'allein die Vollendung der 
Arbeit binnen einem Jahre, fondern verbürgte auch ein Werk, fo fchön, 
Mvie kein einziges heute in Rom vorhanden und wie es auch kein 
lebender Künfller beffer fchaffen könnexi Michelangelo löfte die Bürg- 
fchaft glänzend ein. 3a 
Augufl 
1498 
Die Pietä, feit 1749 in der erften Capelle rechts in der neuen Peters- 
kirche aufgellellt, nimmt unter den plaftifchen Werken Michelangelds die 
hervorragendfte Stelle ein. Auf dem breiten Kreuzesfteine hat flch die 
Madonna niedergelaffen, Vquer über ihren Knieen ruht der todte Chriftus 
mit fanft gelöfcen Gliedern und leife nach rückwärts geneigtem Haupte, 
unter der Schulter von dem rechten Arm feiner Mutter untcrftützt. Sie 
fenkt ihr Antlitz herab und hält die Linke etwas ausgeftreckt und die 
Hand wie unwillkürlich geöffnet, als wollte fie fragen, 0b wohl ein fo 
grofser Verluft ertragen werden könne? Der Mutterfchmerz hat aber 
die jugendliche Schönheit der Madonna fo wenig zerftört, wie der herbe 
Tod im Stande war, die Anmuth des Chriftusleibes zu brechen. Michel- 
angelo hat in fpäteren Jahren" "im Gefpräche mit Condivi den geringen 
Unterfchied im Alter zwifchen Mutter und Sohn aus theologifchen Gründen 
erklärt, auf die unbefleckte Empfangnifs hingewiefen. Natürlich hat er, 
während er fein Werk fchuf, flch nicht durch folche Erwägungen be- 
Pcimmen laffen. Er ftand damals aber unter dem Banne der Antike, 
welche ihm hier in Rom ganz anders lebendig entgegentrat, als in den 
vereinzelten Schulmuftern im Garten von San MarcoÜ So wie Michel- 
angelo in feiner Pietä hätten gewifs auch die alten Chriften, die noch 
von dem Hauche der klaffifchen Kunft berührt wurden, den Tod des 
Erlöfers aufgefafst, gleich ihm die Wahrheit der Empfindung durch die 
vollendet fchöne Form zu verklären gefucht. Bei der Einzelbetrachtung 
ift man leicht geneigt, dem nackten Chriüuskörpei: den höchften Preis 
zu geben und im Kopftuche wie im Mantel der Madonna fogar feltfame 
und fchwerfällige Motive zu entdecken. Gerade darin offenbart fich aber 
die in hohem Grade gereifte Weisheit des Künftlers, dafs er das Kleid 
der Madonna ohne Scheu als Hintergrund des nackten Leibes behandelt, 
Cleffen weiche runde Formen flch von dem tiefgefurchten, reichgefalteten 
Gewande befonders wirkungsvoll abheben. 
Milanesi 
Lettere 
6I3'
        

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