Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532855
MADONNA 
FOLIGNO 
UND 
FISCHE. 
DEM 
MIT 
MADONNA 
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Raffaefs, welche auch in das Andachtsbild Wohllaut, Schönheit und 
Kraft des Ausdruckes brachte.  
Die Madonna thront auf Wolken, inmitten einer goldigen Rundung, 
einer fogenannten Glorie, von einem köftlichen Engelsreigen umgeben. 
Mit der Linken umfafst f1e unter der Schulter das Chriftkind, welches 
mit einem Beine auf der Wolke, mit dem anderen gekrümmten auf dem 
Schenkel der Mutter auffusst und wie im Spiele unter das Kopftuch der 
Madonna f1ch bergen möchte. Es hat noch ganz feine fröhliche, harmlos 
unfchuldige Kindernatur bewahrt, wie auch die Madonna faft ausfchliefs- 
lich imit ihrem Knaben {ich befchäftigt und nur. durch die Richtung des 
Blickes den Zufammenhang mit der unteren Gruppe herPcellt. Diefe 
befteht aus dem Donator und den Schutzheiligen, welche, fymmetrifch 
geordnet, alle in inbrünftiger Andacht und Verehrung verfunken find. 
Ueberaus fein ierfcheinen das empfindungsreiche Leben der einzelnen 
Perfonen  die feierliche ernfte Würde des Vorganges abgewogen; 
es wird der Natur des Gegenftandes nicht die geringfie Gewalt angethan 
und dennoch die ganze Fülle künfilerifclier Kraft hineingetragen. Auf 
der linken Seite kniet zunächft im Vordergrunde, den Kopf nach oben 
gerichtet, der heilige Franciscus, eine Geftalt, von der Rumohr verfichert, 
dafs Correggio von ihr hätte angeregt werden können. Er hält in 
der Linken ein kleines Kreuz, die rechte Hand öffnet er, als wäre er 
zum Empfange des göttlichen Bildes bereit. Hinter ihm fteht, in das 
Thierfell gehüllt, mit wildzerzauftem Haare, brennenden Auges der 
Täufer; er blickt aus dem Bilde heraus und weift mit erhobenem Arme 
auf die Madonna. Gehaltener, maafsvoller bewegen {ich die Geftalten 
der Gegenfeite. Fromm andächtig blickt der greife Hieronymus nach 
oben und Heht den Segen auf feinen Schützling, den päpftlichen Kämmerer, 
herab, auf deffen Haupt er feine Hand empfehlend gelegt hat und der 
neben ihm mit gefalteten Händen betend kniet. Zwifchen beiden Gruppen, 
gerade in der Mitte des Bildes {teht ein nackter Engelknabe, die Widmungs- 
tafel vor {ich mit beiden Händen haltend, keine blofse Füllfigur, fondern 
in noch höherem Maafse, als diefes die Engel am Fufse des Marien- 
thrones auf venezianifchen Bildern oder auch bei Fra Bartolommeo 
thun, beftimmt, die Gefühls- und Farbenftimmung zu überleiten und zu 
vermitteln. Ohne diefen prächtigen Engelsjungen, der fo ehrlich neu- 
gierig nach oben blickt, dabei aber fich nicht von feinem Platze rührt 
und fein Amt treu vollführt, würde zunächft eine arge Lücke in der 
Compofition bemerkbar werden: es möchten aber noch weiter die ge- 
fchilderten Empfindungen {ich auf fchroffer Höhe bewegen und das 
Gemüth des Befchauers bedrücken, während f1e fo gelöft und wie fanft
        

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