Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532848
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VII. 
DIE 
STANZA 
UELIODORO. 
Für einen Kämmerer ]ulius' II., den aus Foligno flammenden Sigis- 
mondo Conti, hatte Raffael ein Andachtsbild gemalt, Welches auf dem 
Hochaltari der Kirche Araceli auf dem Capitol prangte, fpäter (1565) 
naclTFoligiio "in eine Nonnenkirche verpflanzt wurde und feitdem den 
Namen Madonna di Folignog) führt. Das fpätere Schickfal theilt 
die Madonna di Foligno mit den meiften berühmten Tafelbildern Raffaefs 
in Italien. Sie wurde in den franzöfifchen Revolutionskriegen nach Paris 
gefchleppt, hier von Holz auf Leinwand übertragen, reflaurirt und nach 
dem Friedensfchlufse nach Italien zurückgebracht. Nur wenigen Werken 
Raffaefs widmet Vafari eine fo eingehende Befchreibung und ein fo 
begeiftertes Lob, wie der Madonna di Foligno. Wir möchten wünfchen, 
dafs der hohen Bedeutung des Gemäldes entfprechend auch die Ent- 
wickelungsgefchichte desfelben vollfländig vorgelegt werden könnte. Ein 
Stich Marcantons, die Madonna in den Wolken, läfst vermuthen, dafs 
Zeichnungen einzelner Theile des Bildes vorhanden waren; doch hat 
{ich nichts von Skizzen und vorläufigen Entwürfen erhalten, obfchon 
man init aller Sicherheit behaupten kann, dafs hier keine im Augenblick 
fertige Improvifation vorlag. Raffael erkannte fogar die Nothwendigkeit, 
auf der Tafel felbft noch Aenderungen vorzunehmen. Die Hand des 
heiligen Hieronymus war urfprünglich anders gezeichnet, als wir fie jetzt 
gewahren. Diefes entdeckte man bei der Uebertragung des Bildes von 
Holz auf Leinwand, bei welchem Vorgang der Grund der Bildtafel weg- 
gehobelt und die unterfte Schichte der Malerei {ichtbar wurde. Da 
zeigte fich, dafs Raffael die Umriffe mit dem Pinfel in brauner Farbe 
gezogen und die Rechte des heiligen Hieronymus zweimal gezeichnet 
hatte. Auch der Kopf des heiligen Franciscus deutet eine wiederholte 
Umarbeitung, ein langfames Reifen der Compofition an. 
Die Madonna di Foligno geht äufserlich in die Geleife der alten 
Devotionsbilder zurück. Der Stifter kniet anbetend vor der Madonna, 
diefe erfcheint nicht als felige Mutter, fondern als einüufsreiche Mittlerin 
bei Gott. Zu diefem dogmatifchen Elemente gefellt üch noch ein 
anderer, die künftlerifche Wirkung bedrohender Zug. Es mufste auch 
der Anlafs, welcher den Stifter zum Danke oder zur Bitte an die 
Madonna geftimmt, angedeutet werden. Und in der That fehen wir 
auch auf unferem Bilde im Hintergründe der Landfchaft ein Meteor 
oder eine Bombe durch die Luft fchwirren und die Flugbahn durch 
einen Regenbogen bezeichnet. Den Eindruck des Werkes beftimrnen 
aber dennoch nicht diefe fremdartigen Beziehungen, fondern die Kunil 
Stich 
VOTI 
Desnoyers.
        

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