Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532838
BEZIEHUNGEN 
ZU 
SEBASTIANO 
DEL 
PIOMBO. 
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um ihn hier in feiner Villa, der fpäteren Farnefina, zu befchäftigen. In 
diefe Zeit fallt auch Raffaefs merkwürdig nahes Verhältnifs zu Sebafiiano, 
das nächfte, welches jener während feines römifchen Aufenthaltes über- 
haupt einging. Den Glauben daran raubt uns nicht die feindfelige Ge- 
fxnnung, welche Sebafiiano bereits nach wenigen Jahren gegen Raffael 
zur Schau trug, Giftigen Hafs, und der Hafs eines Künftlers birgt noch 
ein befonderes Gift in. fich, hämifchen Tadel, böswillige Verläumdung 
fchleudert er gegen den letzteren und wird nicht einmal 'durch den Tod 
Raffaefs verföhnt. Aber gerade die Heftigkeit des Grimmes führt zu 
dem Schluffe, dafs nicht etwa anfängliche Gleichgiltigkeit und Kälte all- 
mählich in Abneigung überging, fondern eine gewaltfame Entfremdung 
eintrat, eine urfprüngliche Freundfchaft in die fchrofffte Feindfchaft um- 
fchlug. Welche Umfiände diefen Wechfel herbeigeführt haben, wiffen 
wir nicht; fefl fteht nur die künftlerifche Wechfelwirkung, welche zwifchen 
ihnen in den erften Jahren Sebaftiands in Rom Pcattfand. Sßbälfiiands 
um diefe Zeit gemalte Bilder gingen die längite Zeit auf Raffaefs Namen, 
wie z. B. die fogenannte Fornarina oder Beatrice in der Tribuna und, 
wenn der Violinfpieler im Palazzo Sciarra wirklich Raffael angehört und 
nicht Sebaftiano, welche letztere Meinung durch das Datum 1518 wahr- 
fcheinlicher gemacht wird, fo hat der Venezianer an Raffael einen über- 
aus verftändigen Anhänger gefunden. S0 eng wie der _Violinfpieler 
fchliefst {ich kein anderes Werk Raffaefs an die Weife Sebaftiands an; 
doch offenbaren auch die Fresken in der zweiten Stanze und die gleich- 
zeitigen Tafelbilder den Einflufs des venezianifchen Meifters. Nur darf 
man nicht an eine äufserliche Nachahmung, eine mechanifche Nachfolge 
denken, fondern mufs die durchfichtig klare, harmonlifche Natur RaffaeYs 
vor Augen behalten. Er eignete fich nur Wahlverwandtes an und prägte 
in feiner Phantafie jede fremde Form {einer Art entfprechend um. 
Die befte Probe dafür liefern die beiden Madonnenbilder, welche 
Raffael in den letzten Jahren julius" II. fchui und in welchen er dem 
malerifchen Stile zum erften Male ganz frei und vollkommen huldigt. 
Sie bleiben trotzdem das innerfte Eigenthum des Künftlers, offenbaren 
keinen einzigen Zug, welcher etwa als nichtraffaelifch bezeichnet werden 
könnte. Die Madonna di Foligno in der vaticanifchen Galerie und die 
Madonna mit dem Fifche in Madrid find die beiden Werke der Tafel- 
malerei, welche diefen Wendepunkt in Raffaels Kunft am deutlichften 
zeigen.
        

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