Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532808
280  VII. DIE STANZA 
DELIODORO. 
von Bolfena; doch überrafcht auch die Heliodorfreske und auf dem 
Attilabilde die Papitgruppe durch die vollendet gelungene Löfung felbft 
fchwieriger- Farbenprobleme. Raffael nahm gegen früher gleich den 
Grundton tiefer und wärmer. Die an fich fchon kräftige Natur der Farbe 
bringt er durch einen breiten energifchen Auftrag zur Geltung; er er- 
weitert die Farbenfcala, weifs durch Contrafie eben fo gut zu wirken, 
wie durch leichte, mildernde Uebergänge; er kennt den Gebrauch der 
Halbtöne und verfteht das Colorit feiner Bilder der Färbung der Dinge 
in der wirklichen Welt näher zu bringen, durch Entlehnung gefalliger 
Züge aus derfelben, z. B. im CoPcüm, den künftlerifchen Reiz fogar zu er- 
höhen. Die einzelnen Geftalten werden nicht allein in Linien und Umriffen, 
in Haltung und Bewegung, fondern ebenfo fehr in der Farbe den grofseren 
Gruppen eingeordnet, die Gruppen wieder auch durch die Farben- 
flimmung in gefchloffenen Maffen zufammengehalten. 
IP: Raffael zu diefem Wechfel in den Zwecken und Mitteln der Kunfi 
ganz felbftändig auf dem Wege natürlicher Entwickelung gekommen, 
oder dankt er die Vermehrung feines malerifchen Vermögens der Ent- 
lehnung von einer ihm bis dahin fremden Kunitweife? Die erftere An- 
nahme trifft felbftverftändlich bei einem Künftler von fo unendlich reicher 
und umfaffender Anlage wie Raffael war, zu; doch nur fo Weit, als Alles 
bei einem folchen Genius auf Selbftthätigkeit und eigenem Schaffen be- 
ruht. Dafs aber diefer Umfchwung gerade jetzt in den Iahren 151 x-I514 
eintrat, mufs dennoch befonderen günftigen Einflüffen gutgefchrieben 
werden. "Raffaefs wunderbare Fähigkeit zu wachfen und ohne Schädigung 
des Kernes der eigenen Natur eine offene Empfänglichkeit für fremde 
Eindrücke. zu bewahren und das Brauchbare davon in {ich aufzunehmen, 
kam wieder glänzend zur Geltung. 
Unter diefen epochemachenden Eindrücken das Studium der Decken- 
bilder in der Sixtina zuerft und vorzugsweife zu nennen, liegt unmittel- 
bar nahe. Sie wurden vollendet und der Bewunderung der Künftler 
offen gegeben, während Raffael in der zweiten Stanze arbeitete; von 
dem tief dringenden Einfluffe Michelangelds auf Raffael erzählen alte 
Ueberlieferungen. Ihnen zum Trotze und ungeachtet des dagegen 
fprechenden äufseren Scheines mufs man behaupten, dafs Michelangelo 
auf die Aenderung desRaffaelifchen Stiles, welche an den Fresken im 
Heliodorzimmer wahrgenommen wird, nicht eingewirkt hat, bis zum Jahre 
1514 überhaupt die Nachahmung Michelangelds an keinem gröfseren 
Werke Raffaefs nachgewiefen werden kann. Gerade in der Meffe von 
Bolfena und den anderen Gemälden des zweiten Saales nähert fich Raffael 
am meiften dem Bildnifsmäfsigen und verleiht dem Colorit eine befondere
        

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