Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1530108
I8 
MICHELANGELUS 
JUGEND. 
Anlafs. Er hatte einen fchlafenden geflügelten Amor, die aus- 
gelöfchte Fackel undi den Köcher zur Seite, in Marmor gemeifselt 
und auf den Rath Lorenzds di Pierfrancesco ihm durch allerhand 
Mittel das Anfehen eines eben ausgegrabenen antiken Werkes ver- 
liehen. Ein gewiffer Baldaffare erwarb die Statue und verkaufte fle 
in Rom an den Cardinal von S. Giorgio, Raffaelo Riario, bei dem 
Handel den Meifter und den Käufer betrügend. lllichelangelo empfing 
nur einen Theil des Kaufpreifes, der Cardinal aber wurde in dem 
Wahne gelaffen, eine ächte Antike zu befitzen. Die Wahrheit kam bald 
genug zu Tage und dafs ein junger Florentiner der Schöpfer des XVerkes 
fei, zur Kenntnifs des Cardinals. Der letztere, welcher unbewufst dem 
Genius Michelangelds in fo hohem Mafse gehuldigt, war doch gewifs 
zur regften Förderung des Meifters bereit. In diefem guten Glauben 
lebte Michelangelo und wanderte nach Rom. Er liefs fich von Lorenzo 
di Pierfrancesco einen Empfehlungsbrief an Riario geben und langte" 
am 25. Juni 1496 in Rom an. Die auf den Cardinal gefetzten Er- 
wartungen wurden allerdings bitter getäufcht. Der Aerger über den 
ihm mitgefpielten Betrug überwog die Freude an der fchönen Statue. 
Er liefs {ich von Baldaffare den Kaufpreis wiedererftatten und gab 
ihm den Amor zurück, der bald darauf in den Befitz des Herzogs 
von Urbino und 1502 in die Sammlung der Markgräfm von Mantua, 
1. Ifabella Gonzaga, gelangte, wo er feitdem fpurlos verfchwunden ift. 
Ein neues Werk, wie der Cardinal anfangs Michelangelo hoffen liefs, 
und wofür diefer bereits den Marmorblock gekauft hatte, beftellte 
er nicht. Auch die auf Piero de' Medici, der feine Verbannung 
luftig in Rom verlebte, gefetzte Erwartung ging nicht in Erfüllung. 
Er hielt nicht, klagte Michelangelo in einem Briefe an feinen Vater 
(I9. Auguft 1497), was er verfprach. Dagegen gewann Michelangelo 
durch die Vermittlung Jacopo Galli's, eines römifchen Edelmannes, 
die GunPc des franzöfifchen Gefandten am päpftlichen Hofe, des Car- 
dinals Jean de Villiers de la Grolaie, Abtes von St. Denis, und wurde  
von diefem mit einer fo grofsen und würdigen Aufgabe betraut, 
dafs er für alle von dem Cardinal von S. Giorgio und von Piero 
de" Medici erlittenen Täufchungen fich reich entfchädigt fühlen mufste. 
Der franzöflfche Prälat beftellte für eine Capelle in der alten Peters- 
kirche die Marmorgruppe der Pietä, d. h. der Madonna mit dem 
todtenßlhriftus im Schoofse. Die Verhandlungen begannen fpäteflensg 
im Herbfle 1497, da in einem Briefe des Cardinals vom I8. November 
von einer Reife des Künftlers nach den Marmorbrüchen von Carrara die 
Rede ift; der förmliche Vertrag mit genauer Angabe des Preifes 
        

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