Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532757
DIE 
FLUCHT 
ATTILA'S. 
27a 
In der Oxfordfammlung und im Louvre werden zwei Zeichnungen 
bewahrt, welche als Entwürfe zu der Freske gelten. Die Hand Raffaefs 
weift keines der Blätter, beide offenbaren flch vielmehr als Schülerarbeiten, 
zur Uebung von jungen KünPtlern unternommen, doch mit dem Unter- 
fchiede, dafs das Qxfordblatt in der That einen früheren Zuftand der 
Compofition wiedergiebt, während die Louvrezeichnung (Br. 235) trotz 
ihrer Berühmtheit, auch abgefehen von den nachträglich zugefügten 
barocken Engeln, nichts iit als die freie Umarbeitung des ausgeführten 
Gemäldes von einer fpäteren Hand und irrthümlich den Raffaelifchen Ent- 
würfen beigezählt wird. Der bis in das feinfte Detail aus der Freske wieder- 
holte landfchaftliche Hintergrund beweiit die fpätere Entftehung. Niemals 
hat Raffael auf einem vorläufigen Entwurfe den Hintergrund mit folcher 
peinlichen Genauigkeit ausgeführt. Ebenfo zeigt die mühfelig zufammen- 
geftoppelte Gruppe auf der linken Seite, während die ganze rechte Seite 
nach dem Gemälde copirt erfcheint, dafs der Zeichner zu der Raffaelifchen 
Compofition noch willkürlich aus der eigenen Phantafie hinzuthat. Für die 
Entwickelungsgefchichte des Bildes befltzt nur das Oxforder Blatt Bedeutung. 
In dem Entwürfe, welcher derbOxforder Zeichnung zu Grunde liegt, 
hat der Künüler bereits über die allgemeine Anordnung endgiltig ent- 
fchieden. Die rechte Seite nimmt Attila mit den Hunnenfchaaren ein. 
In Einzelheiten, in der Stellung der verfchiedenen Geftalten, im Coftüme 
liefs Raffael fpäter noch mannigfache Veränderungen eintreten. So fchob 
er in der Freske den HunnenfürPren mehr in die Mitte und gab der 
Rüftung der Reiter die antike, den Reliefs der Trajansfäule abgelaufchte 
.Form. Die allgemeinen Umriffe der Gruppe decken {ich aber fo ziemlich. 
Auf der linken Seite des Entwurfes werden ebenfalls wie auf dem 
Gemälde der Papft und fein Gefolge und darüber in den Lüften die 
Apoitelfürfien fichtbar. Doch mufste flch die Papitgruppe, als es an die 
Ausführung in Farben ging, eine gröfsere Veränderung gefallen laffen. 
Der Papi": trägt in der Skizze noch nicht die Züge Leo's X., erinnert 
vielmehr an julius II., bei deffen Lebzeiten jedenfalls der Gegenftand 
der Schilderung bereits feftftand. Er wird gerade fo wie der Papft im 
Heliodorbilde von Kämmerern auf dem Throne einhergetragen, an ihn 
wendet {ich unmittelbar der Hunnenkönig, während in der Freske die 
erfchreckten Blicke Attila's der himmlifchen Erfcheinung {ich zukehren. 
Für diefe letztere Aenderung war gewifs die künitlerifche Rückflcht 
maafsgebend; die Umwandlung der kirchlichen Prdzeffion in einen fürit- 
liehen Reiterzug mag auf den Wunfch des neuen Papfies erfolgt fein. 
Immerhin mochte aber auch der Wunfch, Contrafte zu fchaffen, mitwirken. 
Denn unleugbar beftimmt den Eindruck; des Bildes vorzugsweife der 
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