Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532671
DIE 
VERTREIBUNG 
HELIODORS. 
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und Weiber drängen {ich heran, ftrecken die Arme aus, als müfsten fie 
des W underwerkes theilhaftig werden, oder falten die Hände zum Gebete. 
Sie alle drücken die höchfte Erregung aus, bis wieder in den am Boden 
gelagerten Müttern mit ihren Kindern die ruhigere Stimmung wiederkehrt. 
Die ganze linke Bildfeite gewinnt aber erPc volle Bedeutung durch 
den Gegenfatz, in welchem die Gruppen rechts zu ihr ftehen. Kaum 
merklich bewegt erfcheint der Zeuge des Ereigniffes, der Papft, welcher 
dienkräftigen Züge Julius" II. trägt. Sein Blick ift geradeaus auf den 
Priefter gerichtet, feine mit Ringen gefchmückten Hände zum Gebete 
gefaltet. Die iobuveraine Herrfchaft des Fürften der Kirche und des 
Glaubens kann nicht eindringlicher gezeichnet werden, als es durch 
diefe ftolze, felbitbewufste, unerfchütterliche Perfönlichkeit gefchieht. 
Auch das Gefolge des Papftes, die Cardinäle und Kämmerer im Hinter- 
grunde und die Schweizerwachen, welche am Fufse der Treppe das 
Knie beugen, lauter prachtvolle, unter flch merkwürdig contraftirende 
Portraitgeftalten, wahren den hölifchen Anftand und zeigen in Mienen 
und Geberden eine durchaus maafsvolle läewegung. Schwerlich hat 
Raffael, als er den Papft, die Cardinäle und die ganze päpftliche Diener- 
fchaft in fo würdevoll gemeffener Haltung malte, {ich von anderen als 
kunftlerifchen Motiven leiten laffen; flcher aber traf er den rechten Ton 
deshalb fo vollendet, weil ihm unwillkürlich die Anfchauungen des römi- 
fchen Kirchenlebens gute Hilfe boten. An den grofsen jahresfeften hatte 
er gar oft die gewaltige Wirkung der päpftlichen Ceremonien erprobt, 
wie {ie die Sinne der Gläubigen beraufchen und ihre Empfindungen 
entflammen, wie dagegen die thätigen Theilnehmer, die Eingeweihten, 
die vollkommenfte Ruhe und gemeffene Würde bewahren. Diefe Ein- 
drücke, nur aus dem gewöhnlichen Lebenskreife hervorgehoben und 
verklärt, gab Raffael in der Meffe von Bolfena wieder. 
T 
Die Gliederung der Compofition in der Meffe von Bolfena wurde 
wefentlich durch die! bauliche Einrichtung der Wand beftimmt. Ein 
nicht einmal in der Mitte angebrachtejwlfienlter unterbricht die Fläche 
und läfst die Dreitheilung des Bildes naturgemäß erfcheinen. Raffael 
begnügte Hch-{relbftxierftändlich nicht mit einer mechanifchen Anordnung 
der Gruppen, er griff tiefer und machte einen fcheinbar äußerlichen 
Umftand zur reichen Quelle künitlerifcher Wirkungen. Bereits die Meffe 
von Bolfena dankt ihre Hauptwirkung dem lebendigen Contrafte der 
beiden rechts und links vertheilten Grupßen. Am grofsartigften erfcheint
        

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