Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532649
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VII. 
DIE 
STANZA 
UELIODORO. 
entlehnt. Als das früheffe Beifpiel des Einfluffes der Bilder 
tina auf Raffael und als Beweis, wie offen und unumwunden 
in der Six- 
der letztere 
dem Genius des älteren Meifters huldigte, befitzen die Jehovageftalten an 
der Decke der zweiten Stanze eine nicht geringe Wichtigkeit. Nur dart 
man aus derfelben nicht eine bedrückende Abhängigkeit Raffaefs von 
Michelangelo ableiten wollen. Es; fpricht gerade für die freie Sicherheit 
des erfteren, dafs er einen, wie er erkannte, unübertrefflichen Typus 
frifchweg borgte und in fein Werk aufnahm, ohne irgend welche Sorge, 
dadurch die Einheit feiner Schöpfung zu zerftören oder die Selbftändig- 
keit der eigenen Arbeit zu lockern. Und in der That, die entlehnte 
Figur erfcheint nicht äufserlich dem Noahbilde angefügt; f1e hat, wie 
namentlich die Gewandung zeigt, floh einer Umformung unterwerfen 
müffen, um mit den übrigen Geftalten, dem knieenden Erzvater und der 
Frau in der Thüre mit den- zwei reizenden Kindern, deren Raffaelifchen 
Urfprung Niemand bezweifelt, in Einklang zu kommen. 
Noch viel geringer fallt die Schätzung des antiken EinHuffes aus, 
welcher gleichfalls in den Bildern der zweiten Stanze {ich geltend machen 
foll. Bereits Vafari hat darauf aufmerkfam gemacht, dafs im Attilabilde 
der Schuppenpanzer des Reiters in der rechten Ecke von einer Figur 
auf der Trajansfäule entlehnt fei. Sein Auge hat ihn nicht getäufcht; 
er hat aber nicht allein gut, fondern fo ziemlich auch Alles gefehen, was 
an antiken Erinnerungen hier vorkommt. Einzelne Aeufserlichkeiten, 
wie z. B. die Rüftungen, Helme, Waffen, nimmt Raffael von römifchen 
Monumenten herüber, die aber den Kern der Compofltion nicht berühren, 
für die Stilentwickelung des Meifters völlig gleichgiltig bleiben. Noch 
Pcand Raffael nicht unter dem Banne der antiquarifchen Strömung, welche 
auch für die formelle Darfiellung die antik-römifche Tradition als Richt- 
fchnur empfahl; noch fah er die Antike als eine andere Natur an, welche 
dem Künfiler die mannigfachften Anregungen gewährt, ihn aber niemals 
einfchrankt und feiner Selbftändigkeit beraubt. Wenn die Wandgemälde 
in der Stanza d'Eliodoro einen hervorragenden Platz im Kreife der 
Raffaelifchen Werke einnehmen und gewifs als ein Knotenpunkt in feiner 
Entwickelung begrüfst werden müffen, fo ifi; diefes nicht etwa dem 
W iederfcheine der Antike zuzufchreiben,  fle fendet vorläufig nur ein- 
zelne kalte Strahlen  fondern auf die hier vollendete Wandlung des 
Stiles und der Farbengebung zurückzuführen.
        

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