Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532634
DIE 
DECKENBILDER. 
267 
Die Entftehtingsgefchichte des Bilderfchmuckes in der Stanza d'Elio- 
doro giebt auch fchon Auffchlufs über feinen künftlerifcluen Werth. Er 
iPt fo ungleicher Art, dafs gegen den Raffaelifchen Urfprung einzelner 
Gemälde Zweifel laut wurden. Drei der Deckenbilder, deren unter- 
geordnete Bedeutung man allerdings längft zugab, werden von Robinfon, 
dem hervorragendften englifchen Kenner Raffaefs, diefem förmlich ab- 
gefprochen und auf einen Schüler, vielleicht Giulio Romano, zurück- 
geführt. Beftatigt fich diefe Meinung, und fie ifi nur in Bezug auf die 
Erfcheinung jehovas im Dornbufch anfechtbar, fo bleibt Raffael von dem 
Vorwürfe frei, eine einfache Scene ganz unbegreiflich ungefchickt und 
unverftändlich angeordnet zu haben. Diefes ift der Fall in dem Traume 
Jakobs, wo die Himmelsleiter, ganz abgefehen von den wenig zufagenden 
Engelsgeftalten fo angelegt ifit, dafs fie der von ihr abgewendete Schläfer 
gar nicht erblicken kann. Und auch der andere Tadel trifft dann Raffael 
nicht, dafs er fich felbft abgefchrieben habe. Schon Rumohr hat be- 
merkt, dafs der zweite Engel, Welcher den Widder im Arme in wunder- 
licher Verkürzung vom Himmel xherabwirbeltr, in älteren Werken Raffaefs 
(Freske S. Severo, Madonna del baldacchino) wiederkehrt. Was iPt wahr- 
fcheinlicher, dafs der Meifter fich felbft copirt oder dafs ein Schüler das 
vorhandene paffende Vorbild genau nachahmt? 
Minder Willig {treicht man auch das dritte Deckenbild, jehova im 
Dornbufch, aus der Reihe der Raffaelifchen Werke. Mitten aus den 
Flammen, an welchen der Künftler die Goldlichter nicht gefpart hat, 
fteigt der Her; empor. Ihn begleitet rechts ein ftattlicher Engel, links 
aber kniet vor ihm mit verhülltem Gefichte, in demüthig gebeugter 
Stellung Mofes. In der letzteren Figur läfst fich doch kaum Raffaefs 
eigenthümliche Empfindungsweife, das Maafsvolle und Würdiggemeffene 
verkennen. Ebenfo wenig kann auf der anderen Seite die Abhängigkeit 
der Iehovageftalt von dem Typus, welchen Michelangelo in der Sixtina 
fefigeftellt, abgeleugnet werden, und zwar ift Jehova in dem Bilde der 
Erfchaffung Adams das Mufier für Raffael gewordenfk) Diefe Nach- 
ahmung Pceht nicht vereinzelt und zufällig da. Auch in dem letzten, 
durch einen berühmten Stich Marcantons in weiten Kreifen beliebten 
Deckenbilde, der Verheifsung an Noah, beobachten wir in den Zügen 
]ehova's das Studium Michelangelds. Von diefem erfcheint auch das Motiv 
der dienenden und ftützenden Engel in der unmittelbaren Begleitung Gottes 
5') Die 
in Oxford 
mit Ifaak, 
Federzeichnung Gottvaters 
und die Gruppe Abrahams 
eine lavirte Bifierzeichnung 
mit aufgehöhtem Lichtton (Br. 
nicht von RaffaeYs Hand. 
39) fmd
        

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