Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532620
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VII. 
DIE 
STANZA 
DELIODORO. 
Raffaefs, giebt aber offenbar eine Compofltion des Meifters wieder und 
zwar eine Compofition, welche für die Fenfterwand der zweiten Stanze 
beftimmt war. Das eine beweift die Anordnung der Scene über und zu 
beiden Seiten eines eingezeichneten Fenfters, welches in den Maafsen 
vollkommen mit den Fenitern auf anderen Entwürfen für Stanzenbilder 
übereinftimmt. Für das andere fpricht die Skizze der Meffe von Bolfena 
auf der Rückfeite des Blattes und die teclfnifche Ausführung, welche 
mit den übrigen Nachzeichnungen aus der Stanza d'Eliodoro identifch 
erfcheint. Den Inhalt entlehnte Raffael oder der Theologe, welcher 
hinter ihm ftand, dem zghtenb Capitel der Apokalypfe: wSieben Engel 
traten vor Gott und ihnen wurden fieben Pofaunen gegeben. Und ein 
anderer Engel trat an den Altar und hatte ein goldenes Rauchfafs und 
füllte es mit Feuer vom Altar und fchüttete es auf die Erdeß Beinahe 
wortgetretx gab der Künftler den Schrifttext wieder. Ueber dem Altar 
fchwebt die Halbfigtir Gottes, von fieben Engeln umgeben, welche theils 
die Pofaunen von ihm in Empfang nehmen, theils diefelben bereits blafen. 
Vor dem Altar fteht in lang herabwallendem Gewande der Engel mit 
dem Rauchfafs in der einen, dem Feuer in der anderen Hand. Weiter 
unten auf der rechten Seite des Fenfters fitzt der bärtige Evangelift mit 
dem Adler zu feinen F üfsen, an einen Baumftamm angelehnt und von 
einem kleinen Engel auf das himmlifche Geficht aufmerkfarn gemacht, 
das er nun in fein Buch niederzufchreiben f1ch eifrig bemüht. Gegenüber 
dem Evangeliften- kniet der Papft, von drei Klerikern begleitet, deren 
einer die Tiara über feinem Haupte hält. Er hat feine Arme auf einen Bet- 
Pcuhl aufgeftützt und nimmt ftaunencl Theil an der Vifion. Kein Zweifel, 
dafs in dem Bilde die Zuverflcht auf die Macht der Kirche und des 
Papftthums ausgefprochen werden follte, durch welche die Strafgerichte 
Gottes befänftigt werden, und fo dasfelbe Thema angefchlagen wurde, 
welches die anderen Gemälde weiterführen, allerdings in einer fo dra- 
matifch bewegten, lebendigen Weife, dafs dagegen das apokalyptifche 
Bild arg abftach. Das mochte es Raffael leicht machen, nach dem Re- 
gierungsantritt Leo's X. einen Wechfel der Cornpofition vorzunehmen 
und die Befreiung Petri als viertes Gemälde in die Reihe eintreten zu 
laffen, zumal er flch hier freier in dem malerifchen Stile bewegen konnte, 
welchem er gerade in diefer Zeit, angefeuert durch den Verkehr mit 
Sebaftian del Piombo, zu huldigen begann.
        

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