Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532610
WIEDERSCHEIN 
POLITISCHER 
T EN DENZEN. 
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will. Nichts würde hindern, Raffaefs Fresken mit dem lateranifchen 
Concil in Verbindung zu bringen, wenn nicht die Schwierigkeit beftände, 
fie der Zeit nach in Einklang zu bringen. Raffael hätte noch während 
die Verhandlungen im Concil fchwebten, ihren Ausgang errathen und Anm. 
bereits künftlerifch geftalten, in einzelnen Fällen fogar noch ehe die 
Gegenftände berathen wurden, die Befchlüffe über diefelben in idealer 
Weife verherrlichen müffen. Ein unmittelbarer Zufammenhang zwifchen 
den Fresken in den Stanzen und dem lateranifchen Concil läfst {ich 
nicht begründen. In Einzelheiten, welche erft während der Ausführung 
des Bildes feftgeftellt wurden, gab [Raffael Anfpielungen an Zeitgenoffen 
und gegenwärtige Ereigniffe Ausdruck, brachte z. B. Porträts in den- 
felben an, die Grundzüge der Compofition hat er unabhängig von der 
Tagesgefchichte entworfen. Es bedurfte nicht erft des lateranifchen 
Concils, um die Gedanken, welche die Bilder des Heliodorzimmers aus- 
fprechen, zu wecken. Die Stimmung, welche feit dem Bafeler Concil die 
kirchlichen Kreife durclizog, die Ziele, welche der Regierung julius II. 
überhaupt vorfchwebten, genügen, um die Wahl der Gegenftände und den 
Ton der Schilderung zu erklären. Den älteften Befchreibern der Stanzen 
lag auch_ die kirchenpolitifche Deutung derfelben fern. Vafari giebt als 
Inhalt des Heliodorbildes vdie Vertreibung des Geizes aus der Kirche-x 
an. Erft Bellori (1695) entdeckte in den einzelnen Gemälden eine 
politifche Tendenz. Dafs diefe in die Bilder nachträglich hineingelegt 
wurde, nicht nothwendig mit ihnen verknüpft ift, beweift die Wieder- 
gabe der gleichen Gegenftände bereits vor Raffaefs Zeit. Heliodors 
Vertreibung aus dem Tempel war auf einem Teppich dargeftellt, Welchen 
Julius II. noch als Cardinal gekauft hattet), ,die Meffe von Bolfena 
ift nur die Variante einer weit verbreiteten Legende, welche als vMeffe 
des heiligen GYBgOflLlSK im 15. Jahrhundert vielfach von Künftlern 
gefchildert wurde, die Befreiung Petri hatte Filippino Lippi in der 
Brancacci-Kapelle gemalt. 
Nur bei dem letzten Bilde darf man aus der fpäteren Einfügung auf 
den Zutritt neuer äufserer Einflüffe und zwar, wie es in der Natur des 
neuen Papftes Leo X. lag, rein perfönlicher Art fchliefsen. Denn wir 
befitzen, wenn nicht Alles täufcht, die Compofition, welche urfprünglich 
die Stelle der Befreiung Petri einnahm und erft nachträglich durch die- 
felbe verdrängt wurde. Die Louvrefammlung bewahrt ein Blatt (Br. 264), 
in Bifter gezeichnet" und mit Weifs aufgehöht, welches längft als der Ent- 
wurf zu einem Stanzenbilde erkannt wurde. Es ift keine Originalarbeit 
Müntz, 
Raphael 
275"
        

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