Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532575
MADONNA 
DEL 
PASSEGGIO, 
MADONNA 
ALBA. 
261 
die Madonna dem Chrifttlsknaben gewährt, als ein fein erfonnener, dabei 
ganz natürlicher Zug. So viel Bewunderungswtirdiges aber auch fonft 
die Compofition zeigt: der fchliefsliche Eindruck ifl dennoch nicht har- 
monifcher Natur. Und dabei fleht man noch von jofephus ab, der 
feitwärts. durch die Büfche fchleicht, ohne irgend einen anfchaulichen 
Aritheil an der Handlung zu nehmen. Raffael hat über diefen Heiligen 
nicht fo arg gefpottet wie Giotto, offenbar aber gleich allen andern 
Küniilern die Schilderung desfelben wenig dankbar gefunden. Die 
unvollkommene Befriedigung aber, welche diefes und andere verwandte 
Bilder gewähren, hängt wohl damit zufammen, dafs fie einer Uebergangs- 
{limmung entfprungen find und aus diefem Grunde noch keine ge- 
fclioffenen, einheitlichen Formen aufweifen.  
 Das Hineinragen in eine andere Welt, ohne in ihr vollkommen auf; 
zugehen, mindert die Wirkung auch der Madonna aus dem Haufe 
Albaif), fo benannt, weil fle eine Zeit lang im vorigen Jahrhundert 
{ich im Befitze der Herzoge von Alba befand. Urfprünglich foll das 
Bild auf dem Altare einer Kloflerkirche (Nocera de' Pagani) im Neapolita- 
nifchen geftanden haben, wogegen aber die Rundform zu fprechen fcheint. 
Gegenwärtig (feit 1836) gehört es zu den wenig zugänglichen Schätzen 
der Petersburger Eremitage. Wie lebendig noch der florentiner Geift in 
Raffael herrfchte, fagen namentlich die Röthelzeichntingen aus, welche 
das Liller Mufeum (Br. 89, 90) von der Madonna aus dem Haufe Alba 
bewahrt. Auf der einen Seite des koftbaren Blattes ift die ganze Gruppe 
und neben derfelben noch zwei Skizzen zur Madonna della Sedia darge- 
flellt, woraus erhellt, dafs die beiden Madonnen in ihrem Urfprunge 
zeitlich zufammenfallen. Die Rückfeite des Blattes zeigt aufser einem 
halbverwafchenen Entwurfe zu einer Madonna, welche vom Chriftkinde 
umhalft wird, das Naturftudiumfür die Figur der Madonna. Zum Modell 
diente Raffael ein junger Burfche, blos mit einem Hemde bekleidet, 
welches hoch über die Kniee hinaufgezogen ift. Da die Beine im Bilde 
doch verhüllt werden, läfst ihnen Raffael hier unbefangen die männliche 
Form; bei der Zeichnung des Kopfes dagegen legt er fchon einen 
madonnenhaften Zug in das Antlitz, den er offenbar dem Modelle nicht 
ablaufchen konnte, fondern, in feinem fchöpferifchen Denken vorarbeitend, 
felbfländig erfann, auch im ausgeführten Bilde beibehielt. Diefes führt 
uns die Madonna in jugendlich anmuthiger Erfcheinung vor, um den Kopf 
ein leichtes Tuch turbanartig gewunden, den Körper in ein fchwer und 
wuchtig fallendes Gewand gehüllt. Sie hat fich auf blumenreichem Rafen 
Treff liche 
Photographie 
V O 11 
Braun.
        

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