Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532504
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RAFFAEL 
IN 
ROM 
JULIUS 
UNTER 
In der Zeit von ungefähr drei Jahren war das ganze grofse Werk 
der Stanza della Segnatura vollendet worden. Das Datum unterhalb des 
Parnaffes: __I_5II giebt doch wohl den Schlufs der Arbeit an. ßUnd als 
das Werk ifertig war, bezeugte der Papft dem Künftler feine grofse Zu- 
friedenheita, fagt Vafari, nachdem er die Fresken der Stanza zu Ende 
befchrieben. Für uns kunftarme Nachgeborene fleigert {ich die Zufrieden- 
heit zu kaum begrenzter Bewunderung. Wir wiffen zwar, dafs Raffael 
auch jetzt noch nicht die volle Höhe feiner Entwickelung erreicht hat 
und feine Kraft noch immer im Steigen begriffen ift. Wir werden 
Werke von ihm kennen lernen, in welchen fich ein noch mächtigerer 
Auffchwting feiner Phantafie, ein noch gröfserer Reichthum, eine noch 
durchfichtigere Klarheit der Formen offenbart. Trotzdem bewahren die 
Bilder in der Stanza della Segnatura für uns eine befondere Anziehungs- 
kraft. Es trifft llC eben der Schein eines grofsen Jahrhunderts, es fpricht 
aus ihnen nicht allein der Künftler, fondern auch alle die prächtigen 
Männer, welche die Renaiffance zu dem fonnenhellften Sonntag in unferenl 
hiflorifchen Leben gemacht haben. Wir träumen vor Raffaefs Fresken 
noch einmal den Traum der Humaniften durch von dem Bande, das die 
grofsen Männer aller Zeiten verknüpft, von dem reichen Erbe, welches 
uns die Antike hinterlaffen, von dem ewigen Frieden der Geifter. Nie- 
mals ift es einer Zeit wieder fo gut geworden, dafs ihr Bekenntnifs in 
fo fchönen Farben und reichen Formen ausgedrückt wurde, niemals 
machte aber auch eine Zeit die Anwendung der fchönen Farben und 
reichen Formen fo leicht. gDie culturgefchichtliche Bedeutung der Raffaef- 
fchen Fresken fügt immer noch einen neuen Reiz zu ihrem künftlerifchen 
Werthe hinzu. 
Dann aber feffelt uns der Einblick in das ftetige gefunde Wachfen 
des jungen Meifters. Er hatte einen gewaltigen Sprung gewagt, als er 
von Florenz nach Rom überfiedelte. Die Kluft zwifchen feinem letzten 
florentiner Werke und feiner erften römifchen Arbeit ift viel gröfser als 
der Unterfchied zwifchen feinem erfcen und letzten römifchen Gemälde. 
Nachdem aber einmal das Wagnifs gethan und gelungen war, geht er 
klaren Blickes und feilen Schrittes langfam vorwärts. Wir können bei- 
nahe an jedem folgenden Bilde feine Fortfchritte bemeffen. Seine Technik 
wird ficherer; foweit es der arge Zuftand der Fresken erlaubt, bemerken 
wir, dafs er immer feltener zur Uebermalung al secco greift, die Farben 
kräftiger nimmt, mit Hilfe derfelben auch zu modelliren lernt. Die 
Männerköpfe werden markiger, die Frauenleiber mächtiger, die Gewänder 
wallender. Es ift ein vornehmes, kräftiges Gefchlecht, mit welchem wir 
auf feinen Bildern immer häufiger und inniger verkehren. Wir fragen
        

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