Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532493
 
ÜBERGABE 
DER 
GESETZBÜCHER. 
253 
rechnendem Vorbedacht ifi zu bemerken, vielmehr empfangen wir den 
Eindruck, dafs die Frauen, als fle {ich niederliefsen, den Mantel, wie es 
die Freiheit der Bewegung und die Bequemlichkeit der Lage erheifchte, 
ordneten, hier ihn fallen liefsen, dort den Saum aufzogen und den Zipfel 
über den Schoofs warfen. Vor Allem aber entzückt der äufsere Umrifs 
der Compoiition. Dem Halbkreife, welcher die Fläche einfchliefst, folgend, 
iieigt auch das Bild in der Mitte empor. Innerhalb diefer allgemeinen 
Begrenzung werden aber die Geftalten von einer reizenden Wellenlinie 
umfchrieben, welche bei dem Genius in der linken Ecke beginnt und 
dann Pcetig fteigt und finkt, bis fie auf der rechten Ecke ihren Abfchlufs 
findet. 
Rechts und links vom Fenfter fmd zwei gleichartige, innerlich wenig 
bewegte Scenen gefchildert, in welchen wohl diePorträttreue der dar- 
geftellten Perfonen von allem Anfange das gröfste Intereffe erregte. Auf 
der fchmaleren linken Fenfterfeite übergiebt Kaifer juftinian dem Tre- 
bonianus das Gefetzbuch. Der Kaifer, in den Purpurmantel gehüllt, den 
Lorbeerkranz auf dem Kopfe, den Herrfcherftab in der Rechten, fitzt 
auf einem einfachen antiken Stuhle und reicht dem vor ihm demüthig 
knieenden Rechtsgelehrten das Buch. Die Enge des Raumes macht die 
Bewegung des Kaifers unfrei und drängt auch die fechs Männer, welche 
fein Gefolge bilden, gar zu dicht an einander. 
Reicher entfaltet {ich der Vorgang auf der anderen, breiteren Seite. 
Der Papft, der die markigen Züge Julius II. tragt, thront in einer mit 
Pilaiiern gefchmückten Nifche. Zwei Cardinäle, in Purpnr gekleidet, 
fchlagen den fchweren goldgeftickten Mantel zurück, fo dafs die Arme 
deS Papfies frei hervorkommen. Mit der Rechten ertheilt er den Segen, 
mit der Linken überreicht er die Decretalen dem vor ihm knieenden 
Advocaten des Coniifioriums. Links im Hintergründe ftehen zwei Car- 
Clinäle, offenbar Porträts aus der Umgebung Julius" II., deren Namen 
auch Vafari anführt; über dem Kopfe des Advocaten, deffen Typus noch 
Jahre lang im Gedächtnifs Raffaels haften blieb, werden drei weitere 
Perfonen Iichtbar, ein Mönch mit gutmüthig befchränktem Ausdrucke, 
dann aber noch zwei Charakterköpfe von echt nationalem Typus, mit 
energifch gefchnittenen Zügen, aus welchen man eine ganze Gefchichte 
herauslefen kann. 
 Skizzen zu beiden Darflellungen, 
Imt der Feder gezeichnet und mit Bißer 
lavirt, beünden floh im StädePfchen 
Mufeum in Frankfurt. (Ph)
        

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