Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1530067
MICHELANGELUS 
JUGEND. 
ebenfo ununterbrochen wogt der Kampf von dem einen Ende der Tafel 
zum anderen. Nur einzelne Hauptlinien, Lmgefnlcht, wie zufällig durch 
die Umriffe der Körper entftanden, durchziehen die Fläche, gliedern den 
Vorgang und gefellen dadurch zur höchPcen Wahrheit vollendete, künft- 
lerifche Weisheit. Wahrlich, Michelangelo ifl der Antike niemals fo nahe 
gekommen, wie in dem Centaurenkampfe, dem Werke feiner frühften 
Jugend. 2  
Die 
Flucht 
EIUS. 
Florenz 
hatte 
wie 
vertriebenen 
Medici 
die Stadt der Bentivoglios, nach Bologna, geführt, ein glücklicher Zufall 
mit Gianfrancesco Aldrovandi, einem Kunftfreunde, zufammengebracht. 
Was mochte wohl Michelangelo bei der Frage Aldrovandfs denken, 0b 
er flch wohl getraue, am Grabmale des heiligen Dominicus einige noch 
fehlende, von Gröfse übrigens wenig anfehnliche Figuren zu ergänzen? 
Er fagte bereitwillig zu und meifselte aus Marmor die Heiligen Petronius 
und Proculus und einen kandelabertragenden Engel. Der h. Proculus 
ging frühzeitig zu Grunde, der Schutzheilige der Stadt dagegen über dem 
Sarkophage und der Engel (zur Rechten des Befchauers auf der foge- 
nannten Epiftelfeite des Altars) haben flch erhalten. Als Michelangelo 
den Engel arbeitete, tauchte offenbar die Erinnerung an die empfangenen 
Schuleindriicke in ihm wieder auf. Das Werk erfcheint alter als die 
Centaurenfchlacht. Der Kopf mitdem kurzen Haar und dem energifchen 
Ausdruck. befitzt wenig von dem Engelhaften, welches die gegenüber 
knieende Engelsgeftalt des während der Arbeit in Bologna (2. Wärz 1494) 
veritorbenen Niccolo dell' Arca auszeichnet. Wegen der entfchieden 
gröfseren Schönheit ift diefe letztere eine Zeit lang für das XIVerk des 
jüngeren Meifters gehalten worden. Die Falten des dicken Gewandes 
am Engel Michelangelds kleben gleichfam am Körper an und. haben 
keinen anderen Zweck, als die runden nackten Formen recht deutlich zu 
betonen. Gleiche Eigenfchaften zeigt das Gewand der von Michelangelo 
nur halb vollendeten (quasitotta) Statuette des h. Petronius. Neben eng 
an den Leib anliegenden Stellen bemerkt man Pcark gebrochene kleine 
Falten. Das Ganze macht den Eindruck, als ob Michelangelo nur eine 
kurze Mufse auf die Arbeit hätte verwenden können. Und das war 
auch der Fall, wenn die Nachricht auf Wahrheit beruht, dass er bereits 
im Sommer 1495 wieder in Florenz thätig auftrat. Die neue Verfaffung, 
welche Savonarolas Anhänger eingeführt hatten, machte im Palalte der 
Signorie neue bauliche Einrichtungen nothwendig. Es galt, für die 
Sitzungen des grofsen Rathes, an welchem von nun an über taufend
        

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