Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532383
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VI. RAFFAEL IN ROM UNTER JULIUS 
acten fchon die Form und den Ausdruck, welche lie auf dem ausgeführten 
Gemälde befltzen, bei anderen begnügt er fich, die zufälligen Züge des 
Modells, das er gerade benutzte, zu fixiren. Man fleht daraus, wie wenig 
die fchöpferifche Thätigkeit der Phantafie nach den Rechenregeln des 
gemeinen Verftandes bemeffen werden kann. Da wird nicht ein Gefchäft 
bedächtig nach dem andern abgethan, zuerft allein der anatomifche, dann 
der phyfiognomifche Theil der Compolition und endlich die Draperie vor- 
genommen. Es fchiefsen vielmehr die Strahlen von allen Seiten zufammen 
und in jedem Augenblicke fchwebt dem Künftler das lebendige Bild des 
Ganzen deutlich vor Augen. Unwillkürlich fchiebt {ich nur bald die eine 
Seite desfelben bald die andere vor und lockt zur Bearbeitung, fo dafs 
ein ftetiges Hinüber- und Herübergleiten bemerkbar wird. 
Aufser den Studien für die beiden gröfseren Gruppen lind noch die 
Skizzen des Diogenes und fogenannten Zoroafter (Frankfurt), der beiden 
auf den Stufen fchreitenden Männer neben Diogenes (Oxford) und die 
Entwürfe für den plaftifchen Schmuck der Halle (Oxford und Florenz) 
vorhanden. Alle diefe Blätter überragt aber unendlich hoch an Bedeutung 
und Intereffe der grofse Originalcarton, welchen die Ambroflana in Mai- 
land bewahrt. Auch nachdem derfelbe vollendet war, fand Raffael 
noch' einzelne Aenderungen und Ergänzungen wünfchenswerth. Die 
wichtigfte unter den letzteren ift der am Fufse der Treppe fitzende 
Mann, der fich an einen Steinfockel anlehnt, in der Hand läffig die. 
Feder hält und in das tieffte Grübeln verfunken erfcheint. Diefe Figur 
ift fchon zur blofsen Raumbelebung fo wichtig, fehlt auch auf dem 
Carton fo auffällig, dafs man beinahe annehmen möchte, in Gedanken 
wenigltens habe ihr Raffael fchon von allem Anfange her ihren Platz 
angewiefen. ln allem Wefentlichen decken flch fonft Carton und Gemälde. 
Doch darf das eingehende Studium des Mailänder Cartons deshalb nicht 
für überflüffig gelten. Bei dem beklagensurerthen Zuftande der Freske, 
deren Farbenftimmung ganz zerftört ifi, in welcher die Umriffe ihre 
Schärfe und Klarheit fchon vielfach verloren haben, giebt oft erft der 
Carton den vollen Auffchlufs über die künftlerifchen Abfichten Raffaefsr 
Wie mächtig wirkt nicht auf dem Carton die Geftalt des _Di0genes, 
welche Frifche zeigen nicht befonders einzelne jugendliche Köpfe! Und 
dennoch läfst {ich der Gefammteindruck des Cartons mit der gehobenen 
Feftftimmung, welche das Gemälde hervorruft, nicht entfernt vergleichen. 
Der Carton fchneidet gleich über den Köpfen Platon's und feiner 
verfchiedener Gröfse 
-14o; Details N0. 141- 
photographirt 
 I 4 7. 
VOn 
Braun 
136- 
1137;
        

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