Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532373
STUDIEN 
ZUR 
SCHULE 
VON 
ATHEN. 
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alle diefe näheren Bezeichnungen bedurfte es keiner weiteren Anweifung 
durch Gelehrte oder weitläuüger literarifchen Studien. Sie waren fo 
populär, dafs fle eben fo leicht von jedem Gebildeten gefunden wie 
verftanclen werden konnten. Eine Charakteriftik von Philofophen, welche 
nothwendig auf die Kenntnifs antiker Schriftquellen zurückgeführt werden 
müfste, läfst sich in dem Gemälde nicht nachweifen. Wenigftens er- 
fcheinen jene alten Autoren, in welchen man Raffaefs Führer vermuthet 
hat, wenig zutreffend. Wundern kann man {ich darüber nicht, da bei Anm. 
Raffael das malerifche Intereffe vorwiegend waltete, die alten Schrift- 
{leller aber entweder nichts fagende Aeufserlichkeiten vorbrachten oder 
in rhetorifchen Wendungen und ContraPcen {ich gefielen. Auch antiken 
Büften oder Statuen hat Raffael für feine Geftalten nichts abgefehen, 
höchiftens bei der Bildung des Sokrateskopfes von dem in der alten 
KunPc herrfchenden Typus {ich leiten laffen. Die beiden Hauptfiguren, 
Platon und Ariftoteles, {ind feine eigene Schöpfung, in welcher er das 
Bild, das in der Renaiffance von diefen Geiftesfürften galt, frei und 
vollendet verkörperte. 
Bei der Disputa waren wir fo glücklich, durch Handzeichnungen 
einen Einblick in das allmähliche Werden und Wachfen des Gemäldes 
Zu gewinnen. Von der Schule von Athen haben fich keine Skizzen 
und Entwürfe, welche den Entwickelungsgang des lrVerkes verfinnlichen, 
erhalten. Wahrfcheinlich hat Raffael, da ihm in diefem Falle das Thema 
genauer umfchrieben übergeben war und durch die Disputa und den 
Parnafs die Compofition im grofsen Stile bereits geläufiger geworden, nur 
geringe Schwankungen gemacht. Die Zeichnungen, die wir befitzen, 
Ünd vorzugsweife Acte, Modellftudien, um die Beinftellungen der einzelnen 
Geflalten, ehe er die letzteren drapirte, zu beflimmen. Eine Silberftift- 
Zeichnung mit aufgehöhten Lichtern auf blafsgrünlichem Papier in _Oxford 
führt uns die Gruppe rechts im Vordergrunde (die Geometer) vor Augen. 
Die entfprechenden Gruppen links (die Arithmetiker und Mufiker) {ind 
mit gleichen technifchen Mitteln nur auf anders, röthlich, gefärbtem 
Papier in einer Skizze der Albertina (Br. I72) gefchildert. Um dem 
Modelle für den aufrechtftehenden Mann in diefer Gruppe die Stellung zu 
erleichtern und da es hauptfachlich auf die richtige Zeichnung der Beine 
ankam, liefs Raffael den Mann auf einen Stab {ich {tützen Nebenan f kizzirte 
er ihn aber noch einmal und gab dann auch den Armen und Händen die 
richtige Stellung. Einzelne Köpfe zeigen in diefem und in anderen Modell- 
a") Vgl. S chußer, Ueber die erhaltenen Porträte 
TOphen. Leipzig 1 8 7 6. 
S Pfinger, Raffhel und Michelangelo. l. 
der 
griechifchen Philo- 
1 6
        

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