Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532338
LITT ERARISCHE 
QUELLEN 
DER 
SCHULE 
VON 
ATHEN. 
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fpäter mit feinem Amte und feiner Würde ganz verträglich, die Wid- 
mung der Aldinerausgabe der Platonifchen Werke zu empfangen und 
das Dedicationsgedicht des Mufurus aus Creta, welches die Gottahnlich- 
keit Platon's preifi, wohlgefällig anzuhören. 
Das Buch des Cardinals Cafiellefl würde unbeachtet bleiben, wenn 
es nicht ein fo fcharfes Gegenbild des Gedankenkreifes zeichnete, aus 
welchem die Schule von Athen hervorging, fo dafs diefe Freske durch 
den Contraft in ein überrafchend fcharfes Licht geftellt wird. Als Raffael 
die Aufgabe angefonnen wurde, die Helden des denkenden Geiftes zu 
feiern, den Triumph der Philofophie zu verkörpern, waren ihm weder 
die Perfönlichkeiten, die er zu fchildern hatte, noch die hohe Bedeutung 
des pliilofophifchen Wiffens und die Begeiiterung, Welche die beflen 
Männer demfelben entgegentrugen, unbekannt. Aus feiner eigenen Jugend 
mochte er {ich noch der Erzählung erinnern, welche von dem Herzoge 
Fegerigo von Urbino überliefert worden. Diefer Kriegsfürft ruhte nicht 
eher, als bis er die wichtigfien Schriften des Ariftoteles, die Ethica 
voran, fich fo vollkommen angeeignet hatte, dafs er in Disputationen 
feinen Lehrer, den Meifter Lazzaro, Weidlich fchwitzen machte. vUnd 
nachdem Federigo die Kenntnifs der Philofophie fich erworben, ftieg er 
zum Studium der Theologie emporx a) Raffael hatte ferner in Florenz 
lange genug gelebt, um von dem Leben im Kreife Lorenzo Nfedicfs zu 
wiffen, von den Sympoflen zu Ehren Platon's, von den anmuthigen, 
geiftvollen Unterhaltungen, von welchen uns in den xQuaestiones Camal- 
dulensesr eine fo köftliche Probe erhalten blieb. Und wenn auch Raffael 
in Florenz felbft nichts davon erfahren hatte, in Rom kamen ihm 
die Gedankenkreife, welche die ältere florentinifche Generation bewegt 
und befeelt hatten, gleichfalls nahe. Die Freunde und Schüler Marfilio 
Ficinds, des ehrwürdigen Lehrers deruplatonifchen Philofophie, waren 
hier wie in ganz Italien überhaupt heimifch und genoffen vielfach grofses 
Anfehen. Gerade jetzt fand die Ueberfiedelung der alten mediceifchen 
Bibliothek, welche der Cardinal Medici den geldbedürftigen Mönchen von 
S. Marco abgekauft hatte, nach Rom Pcatt und regte gewifs alte Er- 
innerungen an und verlieh den idealen Anfchauungen vom Wefen und 
'wahren Werth der Philofophie neues Leben. Wie die Männer des älteren 
Gefchlechtes im Schatten der Wälder von Camaldoli, fo verfammelten 
flch jetzt römifche Freunde der Weisheit im Garten des Jacopo Gallo 
auf den Neronifchen Wiefen zwifchen dem Monte Mario und der Tiber, 
um den Werth und die Bedeutung der Philofophie in eifriger Rede zu 
Vefpaflano 
da 
Bißicci, 
Vite 
uomini 
illuilri, 
Barbera,
        

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