Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532308
2 34 V1. RAFFAEL IN ROM UNTER jULlUS II.  
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altregierendeniMächte es merken und in ihren Anfprüchen befchränkt 
werden. Das Wunderbarlte bleibt aber der begeifierte Cultus der 
Wiffenfchaft. Wir begreifen mühelos, wie es allmählich gefchehen 
konnte, dafs der chriftliche Himmel fich entvölkerte, wir würden es er- 
klären können, dafs die Gluth der füdlichen Sonne endlich die Nebel 
vom Olymp wieder bannte und feinen Gipfel in ftrahlendem Glanze 
zeigte; ein geradezu einziges weltgefchichtliches Schaufpiel bietet aber 
die göttliche Verehrung, welche Philofophen, den Helden des Wiffens 
überhaupt erwiefen wurde. Wohl nennt fich auch das achtzehnte, der 
Renaiffanceperiode vielfach verwandte Jahrhundert die Zeit der Auf- 
klärung und huldigte Philofophen. Wie klein erfcheint aber der Kreis 
der Huldigenden, wie geheimnifsvoll auf die inneren Räume des Haufes, 
auf den Salon eingefchränkt der Cultus der Aufklärung gegen die öffent- 
lich anerkannte Macht und den allgewaltigen EinHufs der Philofophie im 
Anfange der Renaiffanceperiode. Eine ariftokratifche Organifation der 
Gefellfchaft war freilich auch hier die nothwendige Vorausfetzung, um 
den reinen Geiftesmächten zu irdifcher Herrfchaft zu verhelfen. Aber 
diefe italienifchen Ariftokraten des fünfzehnten Jahrhunderts bilden keine 
{ich abfchliefsende und zur Seite haltende Gruppe, die furchtfam oder 
hochmüthig [ich der unmittelbaren Leitung der Dinge gern entfchlägt. 
Sie waren ein vornehm ftolzes Gefchlecht, welches auftritt, als wäre der 
Sieg bereits entfchieden, dabei von einer rührenden Naivetät, was den 
Glauben an die Kraft ihrer Ideale betrifft. Kein Zweifel: alle Noth, 
aller Kampf hat ein Ende, fobald diefelben in Wirkfamkeit treten. 
Es ging ein Frühlingswehen durch das italienifche Volk, als an die 
Stelle des entfetzlichen im Mittelalter gebräuchlichen Parifer Lateins, das 
auch den letzten Funken des V erftandes in den Köpfen der Scholaftiker 
erlöfchen liefs, der ftattliche Pomp der römifchen Sprache an das Ohr 
vernehmlich tönte, als in der Seele die Ahnung von dem engen Zu- 
fammenhange der alten Cultur mit der neuen Bildung emporftieg und 
dafs die Geheimniffe der Offenbarung nicht undurchdringlich waren für 
die Weisheit der Vorfahren, zu begeifterter Ueberzeugung erwuchs, als 
endlich der Glaube lich Bahn brach, dafs die ganze Menfchheit den ent- 
legenen Zeiten und entfernten Räumen zum Trotz eine Einheit bilde, in 
welcher {ich die göttliche Leitung gleichmäfsig bewähre. Die erfte 
frifche Blüthe des italienifchen Humanismus war freilich zu RaffaeYs 
Zeiten fchon verliogen. An der harten Wirklichkeit Pciefs Iich, was der 
jugendlichen Phantafie der früheren Gefchlechter als durchaus glatt und 
harmonifch vorgefchwebt hatte. Nur wenige Schritte dem Ziele der 
irdifchen Herrfchaft entgegen konnte der Humanismus machen, ohne
        

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