Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532277
DER 
PARNASS. 
231 
zwei Mufen; jene zur linken fiemmt die Tuba auf den Schenkel auf, 
Zeigt den Bufen halb entblöfst und hat das an die Tracht römifcher 
Statuen erinnernde Gewand nur leicht und locker um die fchönen Glieder 
gelegt. Ihr Gegenbild, Erato, läfst die Leier in ihrer Linken ruhen und 
ftützt fxch mit der Rechten auf den Felsblock, den Kopf dem göttlichen 
Sänger zuwendend. Von beiden Figuren befltzt die Albertina (Br. 169 
und 170) mit der Feder gezeichnete Entwürfe. 
Die anderen Mufen haben {ich in zwei Gruppen hinter ihren Führerinnen 
verfammelt. Eng fchmiegen {ich zur Linken Apolfs, leife horchend, zwei 
Mufen aneinander, die dritte und vorderfte, durch die tragifche Maske 
in der Hand als Melpomene charakteriflrt, fchwebt, durch die Zaubertöne 
des Gottes angelockt, in fanftem Fluge heran. Diefes Getragenwerden, 
diefes unwillkürliche Folgen einer äufsern Macht prägt fich noch viel 
deutlicher, als in der Freske, in der berühmten Federzeichnung aus, welche 
Oxford von der Melpomene bewahrt. Ruhiger, gehaltener erfcheint die 
Stimmung der rechts vor den Lorbeerbäumen verfammelten Mufen. Sie 
blicken auf Apoll hin und machen die Genoffen auf den wunderbaren 
Vorgang aufmerkfam. Nur die vierte Geflalt diefer Gruppe iPc von Raffael 
noch zu einer andern Function befiimmt worden. Er vergafs nicht über 
der Wahrheit der Schilderung die rein künitlerifche Aufgabe. Hier auf 
dem Parnafs, wo alle Geftalten eine freie Heiterkeit athmen und rück- 
haltslos den feurigiten Empfindungen frch hingeben, durfte nicht durch 
eine unbedingte Symmetrie der Anordnung die Scene etwa ceremoniell 
geftaltet werden. Raffael verfchob die räumlichen Pläne, verlängerte 
nach links hin den Gipfel des Hügels, fo dal's hier auch noch der Dichter- 
fürfi Homer, von Dante und Virgilx) begleitet, feilnen Platz Findet. 
In dem blinden Sänger, der neben Apoll am meiften das Auge 
feffelt, hat Raffael den efuror divinusc, welcher nach Humaniftenglauben 
den Dichter durchdringt, am grofsartigften verkörpert. D_e_n bekränzten 
bärtigen Kopf hoch erhebend, die Lippen geöffnet, um einen Hymnus 
anzufiimmen, mit der einen Hand den in Falten zufammengerafften 
Mantel haltend, die andere ausgeitreckt, als wolle er dem gefungenen 
Worte Nachdruck verleihen  fo fchreitet Homer langfam feierlich vor, 
der Gegenftand der Ehrfurcht und der auf jeden Ton eifrig laufchenden 
Aufmerkfamkeit für feine nächfien Genoffen. Raffael hat keine antike Maske 
bei der Schöpfung feines Homer verwendet, aber den Charakter des 
 Federzeichnung der drei Köpfe 
in Windfor (Ph. N. 6). Federzeichnung 
für Dante in Albertilma Br. 182; aufser- 
dem Gewandüudien für Dante in 
Windfor, für Homer in Lille, für Virgil 
in Florenz.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.