Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532236
DIE 
UNTERE 
HÄLFTE 
DER 
DISPUTA. 
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mit emporgehobener Rechten gegen den Himmel und giebt dem Blicke 
des heiligen Ambrofius die Richtung. Die nothwendige Ergänzung diefer 
beiden Figuren bilden die zwei, gleichfalls erft nachträglich componirten, 
hOChragenden Geftalten auf den unteren Stufen des Altarraumes: auf der 
linkenhSeite vom Rücken gefehen, ein Mann von mächtigen Gliedern, 
der den Mantel fo auf der einen Achfel befeftigt trägt, dafs der rechte 
Arm unbedeckt bleibt und frei herauskommt, ihm gegenüber ein Papft 
in reichem goldgeftickten Ornate. Diefer wiederholt die Geberde des 
Ambrofius; er ift gleichfalls der Offenbarung theilhaftig geworden und 
VOHBegeiPIerung erfüllt; fein Gegenbild dagegen zeigt mit der Hand 
auf das Buch, das Papft Gregor auf feine Kniee aufftützt und gehört 
Offenbar dem Kreife der Forfcher an. So prägt {ich in allen vier 
Männern, in jenen dicht am Altare und den anderen auf den vorderften 
Altarftufen die Empfindung aus, welche die Kirchenvater auf ihrer Seite 
bewegt; in ihrer äufsern Erfcheinung aber kreuzen fie fich. Dem Geiß- 
lichen des Hintergrundes und Laien im Vordergrunde links entfprechen 
rechts der Laie im Hintergründe und der Geiftliche im Vordergrunde. 
Dadurch wird jener vollendete Rhythmus in der Anordnung und Gruppi- 
rung erzielt, welcher fchon längPc an den Stanzenbildern bewundert und 
gepriefen wurde. 
Die Bewegung, in der unmittelbaren Nähe des Altares angeregt, 
pflanzt flChUabCf noch weiter bis an den Rand des Bildes fort. Zwei 
Gruppen fchliefsen hier die Scene; beide hängen fo eng und feft mit 
den Hauptgruppen zufammen, erfcheinen als eine fo nothwendige Er- 
gänzung derfelben, dafs man kaum begreifen kann, wie fie in den 
früheften Entwürfen übergangen werden konnten, Sie find in der That 
CTLQ fpäter eingeordnet, aber nicht äufserlichangefügt, vielmehr von 
Raffael, als noch die fchöpferifche Kraft voll ftrömte, gezeichnet worden. 
Auf eine durchbrochene Schranke hat ein älterer Mann, mit überaus 
fcharf gefchnittenem Kopfe, ein offenes Buch geftellt und deutet mit der 
Hand auf einen dafelbft niedergefchriebenen Satz hin. Neugierig blicken 
und laufchen die nächflen Genoffen. Der eine beugt {ich ftark vor, der 
andere ftreckt den Hals, um den Inhaltuzu erfpähen. Vor ihnen aber 
fleht einiglaubenseifriger, fchöner Jüngling, das Haupt von goldenen 
Locken umrahmt, über die Schulter leicht den Mantel geworfen, das 
milde, klare Antlitz den noch in der Erkenntnifs Unficheren und Un- 
geübten zugewendet. Er weiß; fie mit fprechender Geberde auf die 
Gruppen am Altare hin, wo die Quelle der Belehrung fliefst. Auf der 
entgegengefetzten Seite übt das Amt des Führers und Leiters ein voll- 
bärtigier, älterer Mann. Ein jüngeres Glied der grofsen Gemeinde hat 
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