Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532199
BESCHREIBUNG 
DER 
FRESKE. 
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durch welchen die Menfchheit erlöft wurde. Auf den Erlöfer weilt der 
Täufer mit der Rechten hin, während auf der anderen Seite die Madonna 
in demüthiger Verehrung, die Hände über der Bruit gefaltet, beharrt. 
Unter diefen drei auf erhöhten Wolkenfchichten thronenden Geftalten 
bemerkt man das Symbol des heiligen Geiftes, die Taube, und zu ihren 
Seiten vier Engel, welche die geöffneten vier Evangelienbücher tragen. 
Auf einer tieferen NVolkenfchichte, aus welcher Engelsköpfe hervortauchen, 
entfaltet {ich im weiten Halbkreife die Gemeinde der Heiligen, die 
triumphirende Kirche. Die Gliederung diefer Geftaltenreihe, die RaffaeYs 
wahrftes Eigenthum bildet, während er für die früher gefchilderten Per- 
fonen auf ältere Typen zurückgehen konnte, zeichnet flch eben fo fehr 
durch Klarheit wie Gefetzmäfsigkeit aus. Er läfst die Vertreter des alten 
Teftameifts mit den Helden des neuen Bundes wechfeln und gliedert die 
erfteren nach den Weltaltern, die letzteren gewiffermafsen nach den 
heiligen Ständen: Apoftel, Verfaffer der heiligen Schriften, zugleich Ver- 
wandte Chrifti, und Märtyrer. Dabei beobachtet er die Ordnung, dafs Pcets 
die in gleicher Reihe einander gegenüberfitzenden Perfonen zu einander 
gehören oder auf einander folgen. Mit Beobachtung diefer Regeln 
gewinnt man, indem man die Zählung ftets von dem äufseren Rande des 
Halbkreifes beginnt, folgende Namen: Petrus und Paulus, Adam und 
Abraham, johannes der Evangelift und Iacobus der ältere, David und 
Mofes, Laurentius und Stephanus, die beiden Schutzheiligen Roms, die 
bereits in der benachbarten vaticanifchen Kapelle Nicolaus V. ihre künft- 
lerifche Verklärung gefunden hatten, und endlich, halbverhüllt durch den 
Wolkenthron Chrifti, jeremias und Judas Maccabäus. 
Die Embleme, welche die Mehrzahl diefer Männer in den Händen 
tragen, laffen über ihre Bedeutung keinen Zweifel laufkommen. Dafs 
der kahlköpfige Greis mit den Schlüffeln in den Händen als Petrus, die 
kräftigere Geftalt ihm gegenüber mit Schwert und Buch als Paulus vom 
Künftler gedacht wurde, Pceht ebenfo feft, wie dafs das Opfermeffer auf 
Abraham, die Gefetzestafeln auf Mofes, die Harfe auf David, die Palme 
auf einen Märtyrer, die Diakonentracht auf Stephanus und Laurentius, 
das Flammenornament am Gewande insbefondere auf den letzteren hin- 
weifen. Höchfiens können die beiden halbverhüllten Geftalten, von welchen 
die eine in goldener Rüftung glänzt, dieiandere ein Tuch um den Kopf 
gewunden hat, einiges Nachdenken veranlaffen. Die von Raffael feft- 
gehaltene Regel, nach welcher diefe beiden Perfönlichkeiten dem letzten 
vorchriftlichen Weltalter angehören müffen, fchränkt die Auswahl ein. 
Perugino hat im Cambio in Perugia unter andern Helden des alten 
Teftamentes, neben Mofes, David, Salomon, im Hintergrunde auch Jeremias
        

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