Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532159
ENTKVÜRFE 
ZUR 
DISPUTA. 
2I9 
der Disputa Schritt für Schritt zu verfolgen, aber dennoch fähig, auf 
eine Mittelftufe den Finger feft zu legen. Die Grundlage des Bildes fleht 
bereits feft. Im Himmel flnd die Heiligengefialten im weitem Halbkreife 
geordnet, auf Erden die Schaaren der Gläubigen um den Altar gefammelt 
und zwar in denfelben Hauptgruppen, welche wir in der Freske wahr- 
nehmen, wenn auch die endgiltig feftgeltellte Gliederung innerhalb der 
einzelnen Gruppen und die Uebergänge von einer Gruppe zur anderen 
noch nicht gefunden wurden. Diefen Zufland der Compofition verflnn- 
licht am beften eine Sepiazeichnung im Befltze des Duc d'Aumale in 
Chantilly (Br. III). Sie giebt beide Gruppen neben dem Altar, doch 
ohne den letzteren wieder. Die vier fltzenden Hauptfiguren flnd im 
Halbkreife gezeichnet, fo dafs die beiden vorderen nahezu in Rückanficlit 
erfcheinen. Eifrig blicken andere Perfonen, knieend oder tief vorgebeugt, 
in die aufgefchlagenen Bücher der erfteren, während tief im Hintergründe 
andere Männer theils in Büchern lefen oder über das Gelefene flch unter- 
reden, theils in Nachdenken verfunken fmd. Die beiden Seiten decken 
{ich faft vollftändig und offenbaren dadurch eine gewiffe Einförmigkeit. 
NVie Raffael diefer abhalf und mannigfaltigeres Leben in die Gruppen 
brachte, zeigt fodann eine Federzeichnung im Louvre (Br. 279), welche 
die linke untere Hälfte des Bildes darftellt. Dem Altare zunächft fitzen 
zwei Männer in geiftlicher Tracht, beide mit Büchern in den; Händen; 
der eine blickt in das aufgefchlagene Buch hinein, der andere hat den 
mit der päpftlichen Tiara bedeckten Kopf nach oben gewendet. Hinter 
dem mit Greifen gefchmückten Stuhle des Papfies ftehen drei Geiftliche; 
ihm zur Seite knieen dicht aneinander gereiht drei jugendliche Geftalten, 
in welchen flch die Hingabe an die religiöfe Empfindung, die begeifterte 
Andacht am fiärkften verkörpert. Eine im Ausdruck noch wenig beftimmte 
Gruppe von drei Männern im Hintergrunde und eine andere, ebenfalls 
drei Männer, die fich eifrig unterreden, vorn in der Ecke fchliefsen die 
Geftaltenreihe ab. 
Dem Louvreblatt am nächiien fleht die berühmte Federzeichnung im 
Städelfchen Mufeum in Frankfurt, ein Studium nach dem Nackten, welches 
an drei Stellen von dem früheren Entwurfe abweicht. (Fig.6I.) Zwifchen 
dem Altar und dem lefenden Geifilichen wurden im Louvreblatte drei 
Mönchsköpfe flchtbar; diefe erfcheinen hier in eine lebendige, fpäterhin 
übrigens wieder modificirte Gruppe verwandelt. Ein Jüngling erfteigt 
die Plattform, auf welcher die Hauptperfonen des Vorganges flch befinden 
und weift diefelben einer zweiten hinter ihm ftehenden Figur. Die Eck- 
gruppe erfcheint um eine Perfon vermehrt, in eine lebendige iAction 
verfetzt und felbftändiger erfafst. Das Letztere wurde zumeift dadurch
        

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