Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532120
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RAFFAEL 
ROM 
UNTER 
JULIUS 
NVindforfammlung (Fig. 60), das andere in Oxford vorhanden ift. Das erfte 
führt uns die ganze linke Hälfte des Bildes, wie fie {ich Raffael urfprünglich 
denken mochte, fowohl die obere, wie die untere Geflaltenreihe vor 
Augen, das zweite in Oxford befchränkt fich auf die Schilderung des 
Himmels, giebt aber diefen vollftändig. Die technifche Ausführung ift 
in beiden Blättern diefelbe. Sie find mit Sepia gezeichnet, zeigen die 
Schatten breit angelegt, die Lichter mit W eifs aufgehöht. Diefe Manier 
hat Raffael auch fonft noch angewendet, fie fpricht alfo nicht gegen die 
Echtheit, wohl aber mufs die Stumpfheit der Formen und die geringe 
Frifche der Zeichnung auffallen. Das Oxforder Blatt läfst uns in der 
Nlitte den fegnenden Chriftus fehen, ihm zur Seite auf gleicher Linie 
links die Madonna mit zwei Heiligen, rechts den Täufer, welchem eben- 
falls zwei Heilige nachfolgen. Unter diefer Geftaltenreihe befindet fich 
ähnlich angeordnet eine zweite. Die Stelle, die oben Chriftus einnimmt, 
wird durch zwei Figuren, die wohl die beiden Apoftelfürfien bedeuten, 
ausgefüllt, rechts und links von ihnen lind in gröfserem Maafsftabe noch 
je zwei Heilige, alle mit Büchern in den Händen, wahrfcheinlich die 
Evangeliiten, gezeichnet. Der Entwurf in der Windforfammlung zeigt 
die gleiche Gruppirung, nur dafs fich in der unteren Reihe noch Engel 
zwifchen die Evangeliften und Apoftelfürften fchieben und die erfteren 
theilweife in. der Stellung einen leichten Wechfel erfahren haben. 
Ein gar weiter Weg trennt diefe Entwürfe von der ausgeführten 
Freske. Anfangs, fo fcheint es, hatte Raffael die Abficht, die Seligen 
in zwei Reihen über einander zu ordnen. Chriflus erfcheint von den 
beiden 
Täufer 
Gruppen rechts und links gefchieden, die Madonna und der 
führen die letzteren an. Im Gemälde bildet ChriPrus mit feiner 
Nlutter und dem Vorläufer eine befonclere erhöhte Gruppe, an welche 
fich etwas tiefer in einem fchön gefchivungenen Halbkreife die Heiligen 
anfchliefsen. Dafs in diefer Aenderung auch die glücklichlte Entwickelung 
des urfprünglichen Planes verborgen liege, fagt fchon das blofse Auge. 
Von Einzelgeüalten hat Raffael eigentlich nur die Maria und lohannes den 
Täufer in das ausgeführte Bild herübergenommen. Die anderen Figuren 
wurden entweder ganz fallen gelaffen oder einer durchgreifenden Um- 
arbeitung unterworfen. Am meiften erinnern noch die vorderen Evangelifien 
in der unteren Reihe an die beiden Apoftel, welche in der Freske an der 
Spitze des Halbkreifes ftehen. Für die anfängliche Geftaltung der Gruppen 
auf Erden lind wir ausfchliefslich an das NVindforblatt (Fig. 60) gewiefen. 
Unverltändlich und unerklärlich bleibt die Architektur in der Ecke, 
ein Säulenbau mit Gebälk, auf welchem zwei Engel ftehen, welche an 
Stricken das päpftliche Wappen fefthalten. Weder von diefer Tempel-
        

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