Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532110
ENTXVÜRFE 
ZUR 
DISPUTA. 
215 
die 
der 
höchften Vollendung zu entwickeln. Am längften währte natürlich 
Arbeit bei der erften Freske, welche er in Angriff nahm, bei 
fogenannten 
Disputa. 
7 
Vafari befchreibt das Bild der wDisputae mit folgenden Worten: 
wRaffael ftellte einen Himmel dar mit Chriftus und der Madonna, dem 
Täufer, den Apofteln, Evangeliften und Märtyrern auf Wolken, mit Gott 
Vater endlich, welcher über alle den heiligen Geift ausgiefst, ganz be- 
fonders über eine unendliche Zahl von Heiligen, welche unten die Meffe 
fchreiben und über die Hoftie auf dem Altare disputiren. Unter diefen 
find die vier Doctoren der Kirche, von vielen Heiligen umgeben. Da 
ifi Dominicus, Franciscus, Thomas von Aquino, Buonaventura, Scotus, 
Nicolaus de Lyra, Dante, Fra Girolamo Savonarola aus Ferrara, und 
alle anderen chriftlichen Theologen, und viele Bildniffe nach dem Leben. 
In der Luft fchweben vier Kinder und halten die aufgefchlagenen 
Evangelienbüchem 
Den Grundgedanken des Bildes, die Vereinigung der Helden des 
Glaubens, oder wie man in theologifchen Kreifen fich ausdrückt, die 
Schilderung der triumphirenden und {treitenden Kirche, hat Raffael von 
allem Anfang an feftgehalten und mit ihm auch die Gliederung in einen 
offenen Himmel und einen unteren freien Raum, in welchem (ich um ein 
fichtbares Symbol die ganze Gemeinde fammelt. Nur über die Summe 
der Perfonen, ihre Anordnung und Gruppirung gewann er erlt allmählich 
volle Klarheit. Davon legen die vielen Skizzen und Entwürfe Zeugnifs 
ab, die {ich für die Disputa erhalten haben. Sie find zahlreicher als für 
irgend ein anderes Gemälde Raffaells, ja timfaffender als für irgend ein 
Kunltwerk überhaupt. Und dennoch befrtzen wir fle gewifs noch lange 
nicht vollitändig. Die linke Seite der Freske erfcheint in den erhaltenen 
Entwürfen beffer vertreten als die rechte. Sollte Raffael die eine Hälfte 
fchwieriger in der Darftellung gefunden haben als die andere? Das ift 
kaum anzunehmen. Auffallend bleibt es allerdings, dafs auch Nachbil- 
dungen der linken Hälfte befonders häufig vorkommen. Gar bald näm- 
lich werden Raffaefs römifche Skizzen als eine praktifche Zeichenfchule 
benützt und von jüngeren Künftlern mit grofser Sorgfalt und Genauig- 
keit nachgeahmt. Reproductionen der Handzeichnungen zur Disputa, 
der einzelnen Geftalten fowohl wie namentlich der Gruppen zur Linken, 
werden, wie es fcheint, mit Vorliebe verfucht. 
 Eine fehr frühe, noch wenig entwickelte Form der Compofltion 
lernen wir aus zwei Blättern kennen, von welchen das eine Blatt in der
        

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