Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532091
DIE 
DISPUT A. 
213 
dichter, hat er gewifs den gröfsten Lyriker feines Volkes nicht unbeachtet 
bei Seite gelaffen  fo traf er im trionfo d'amore und im trionfo 
della f ama auf grofse Geftaltenkreife, welche durch eine gemeinfame 
Idee, der fle dienen, vereinigt werden. Das eine Mal zählt Petrarca die 
Dichter auf, welche Liebe gefühlt und Liebe befungen haben: Orpheus 
und Dante, Pindar, Sappho, Tibull und Properz u. f. w. Der trionfo 
della fama preift die alten ruhmreichen Römer, die Männer des Schwertes, 
dann aber auch die Helden des Geiftes, die grofsen Denker, die Weifen 
des Alterthums. Platon und Ariftoteles führen diefe Schaar an  in 
ihrem fiattlichen Gefolge begrüfsen wir Pythagoras und Sokrates, Homer 
und Virgil, Zeno und Diogenes, Heraklit und Demokrit. 
Aus feiner eigenen Jugendzeit erinnerte er {ich an die Malereien im 
herzoglichen Palafte zu Urbino. Dort hatte Herzog Federigo da Monte- 
feltro in feinem iftudioa die Philofophen, die Dichter, die Theologen, 
deren Werke feine Bibliothek zierten, abbilden laffen. Es waren nur 
Einzelportraits, jedes Gemälde von dem anderen unabhängig, keines von 
befonderem Kunfiwerthe oder von einer höheren Auffaffung getragen. 
Um {ie aber in feiner Phantafie in einen idealen Zufammenhang zu bringen, 
brauchte Raffael nur in der Reimchronik feines Vaters die Stelle aufzu- 
fchlagen, welche von der Bibliothek in Urbino handelt und die Vertreter 
der grofsen geiftigen Richtungen geradezu nach Gruppen gliedert: 
Primo di quel colegio facro e fancto 
Theologi divoti Popre tucte 
Coperte e ornate de mirabil manto. 
E le fcripture poscia che conliructe 
De Philofophi antichi al mondo furo 
Quando hozi fe ne trova ivi en rediicte, 
Le {lorie tucte, el facro confiüoro 
De chiar Poeti e i nobili Legifti. 
XVenn Raffael an den Wänden der Stanza della Segnatura die Ge- 
meinden der Gläubigen, der Wiffenden, der poetifch Begeifierten fchildert, 
die Triumphe der Theologie, Philofophie und Poefie feiert, welche in 
den Gefialten der Helden chriftlicher Lehre und Offenbarung, in den 
XVeifen des Alterthums, in den Dichtern und Sängern von Hellas, Rom 
und dem neuen Italien verkörpert werden, fo hat er demnach fiofflich 
nichts Neues erfunden. Die Verwandtfchaft mit älteren Darfiellungen 
würde noch in viel fiärkerem Maafse an den Tag treten, wäre nicht 
durch die formelle Behandlung der Gegenfiande ein neues bisher unge- 
ahntes Leben in diefelben gekommen. Hier zeigte {ich die Schöpferkraft 
des Künftlers in ihrem höchften Glanze. Alle früheren Schilderungen
        

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