Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532087
2I2 
RAFFAEL 
ROM 
UNTER 
JULIUS 
gut den Soldaten des Herodes in dem bethlehemitifchen Drama bedeuten. 
So weckte eine Scene in feiner reichen Phantafie die Erinnerung an eine 
verwandte, fo leitete ihn gleichfam die Naturnothwendigkeit von einem 
Bilde zum andern. 
Das ausgeführte Gemälde des Urtheils Salomonis weicht in vielen 
Einzelheiten von dem Oxforder Entwurfe ab, zeigt im Ganzen das Streben, 
das Leidenfchaftliche des Vorganges zu mäfsigen. König Salomon, ein 
würdiger Greis mit Vollbart, thront auf der rechten Seite des Bildes, 
ihm gegenüber {teht der nackte Scherge, vom Rücken aus gefehen, das 
gezückte Schwert in der Rechten, mit der anderen Hand das Kind 
emporhaltend. Da ftürzt angflerfüllt die Mutter herbei, um die Blutthat 
abzuwehren. Sie ftreckt die Arme aus, drängt {ich an den Thron und 
wendet das Antlitz flehend dem Könige zu, während das andere Weib 
feitwärts vom Throne kniet und vorwurfsvoll mit beiden Händen auf 
das vor ihr liegende todte Kind weilt. Kunftvoll in der Gruppimng, 
ein lVlufter der Gefchloffenheit, namentlich wenn man die Anordnung 
im Marfyasbilde damit vergleicht, erfcheint das Gemälde auch in der 
Behandlung der einzelnen Geftalten vollendet. Welche Köpfe es Wohl 
verdienen, dafs fie dem Befchauer zugekehrt fmd, welche beffer abge- 
wendet gemalt werden, hat Raffael offenbar mit weiter Abficht beftinnnt. 
Von der Decke fteigen wir zu den Wänden der Stanza della Segna- 
tura herab. Dort hatte Raffael vier Hauptmächte des geiftigen Lebens 
gefchildert und an hiftorifchen Beifpielen ihr NVefen und Wirken erläutert. 
An den Wänden führt er uns ihr Reich vor. Die Gemeinde, in 
welcher fle herrfchen, wird dargeftellt, die Helden, welche jenen Mächten 
zum Triumphe verholfen haben und nun ihre Hauptträger und Stützen 
geworden flnd, werden gezeichnet. Den bildenden Künften waren folche 
Zufammenftellungen von Perfonen, die alle von einem und demfelben 
Streben durchdrungen lind, keineswegs fremd; insbefondere liebte aber 
die Poefie folche Helden zu feiern, in langen Reihen aufzuzählen und 
mit reichem Lobe zu bedenken, in denen flch der Sieg und Triumph 
einer üttlichen Idee offenbart, und fie gab auch diefer Gattung von 
Gedichten den bezeichnenden Namen Triumphe. Die Märtyrer des 
Glaubens, die Opfer der Liebesleidenfchaft, die Vorbilder der Tapferkeit, 
die Hauptvertreter der Wiffenfchaften und Künfte, das find bekannte 
Gegenftände der fpät mittelalterlichen Sculptur und Malerei. 
Wenn Raffael in den Gedichten Petrarcas blätterte,  felbft S0netten-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.