Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532061
2IO 
RAFFAEL 
RO M 
UNTER 
JULIUS 
welche den Eintritt in die neue Kunftlehre bezeichnen, an der Schwelle 
der Renaiffance Ptehen, auch die Geftalten Adam's und Evas in fich 
faffen. Auf dem Genter Altarwerke prangten diefelben, und von dem 
Frescofchmucke der Brancaccikapelle in Florenz bilden fie ein wichtiges 
Glied. In beiden Fällen fpricht gerade aus ihnen der neue Geift am 
lebendigften. Und als unfer Albrecht Dürer das von ihm ergründete 
Maafs leiblicher Schönheit an einem anfchaulichen Beifpiele erläutern, den 
Normalmenfchen verkörpern wollte, da fchuf er in dem berühmten Kupfer- 
ftiche v.  1504 Adam und Eva. Und fo kam denn auch Raffael 
wiederholt auf denfelben Gegenftand zurück. 
Beinahe gleichzeitig mit dem Deckenbilde in der Stanza della Segna- 
tura zeichnete er den Sündenfall noch einmal für Älarcanton, deffen 
Grabftichel gerade um diefe Zeit faft ausfchliefslich Raffaelifche Compo- 
fltionen wiedergab. Eine berühmte Studie für diefes Blatt, die Feder- 
zeichnung Adam's, bewahrt die Oxfordfammlung. Aufserdem befindet 
{ich noch der Sündenfall, einige Jahre fpater gemalt, unter den Kuppel- 
bildern der vaticanifchen Loggien. Jede der drei Schilderungen befitzt 
ihre eigenthümlichen Reize. Im Kupferftiche erregte der männliche Torfo 
die gröfste Bewunderung. Das Loggiengemälde feffelt insbefondere durch 
die mannigfaltigen Gegenfätze in der Bewegung des Elternpaares. Aus 
dem Deckenbilde der Stanza della Segnatura dürfte aber die milde 
Anmuth des Meifters am helliten ftrahlen. Er hatte es auch diesmal gar 
ernft mit der Richtigkeit der Formen und der Wahrheit der Bewegungen 
genommen. Wie uns ein Studienblatt im Louvre (Br. 267) zeigt, zeichnete er 
Adam fünfmal, ehe er ihn in die gewünfchte Stellung brachte. Die Beine 
machten ihm am meifien zu fchaffen. Erft nach vier Verfuchen fand er 
die rechte Lage. Adam, den befchatteten Kopf feitwarts nach oben 
gerichtet, ruht links vom Baume auf einem erhöhten Rafenfitze. Mit 
der Linken fiemmt er fich auf denfelben; das eine Bein hängt laffxg 
herab, das andere, ftramm gefpannt, berührt den Boden. Eva, die ihm 
gegenüber Pteht, hat mit dem einen Arm den Zweig über ihm erfafst 
und reicht mit der Rechten dem verlangenden Adam die verbotene 
Frucht. DiexFülle und Rundung des kräftig gebauten Körpers unter- 
fcheidet fie von den älteren Frauengefialten Raffaefs, doch flnd noch 
leife Spuren des Modellftudiums flchtbar, wodurch die Gefltalt den Reiz 
naiver Natürlichkeit gewinnt. 
Der Poefie zur Seite hat ein Doppelbildt )).'-Xpollo's Krönung 
und Marfyas Beitrafungr Platz gefunden. Auch diefe Scene hat 
Raffael noch einmal componirt und durch den Meifter mit dem Würfel 
in Kupfer Pcechen laffen (Bartfch. XV. p. 206). Doch gebührt der Freske
        

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