Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1532016
DIE 
DECKENBILDER. 
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vertreten, gewidmet. Das flnd nicht die gleichen Gegenftände, wie f1e für 
die Stanza della Segnatura ausgewählt wurden, aber doch vielfach ver- 
wandte Vorftellungen. Wenn die Aehnlichkeit nicht noch fchiirfer in das 
Auge fällt, fo trägt daran die ganze verfchiedene künftlerifche Behandlung 
die Schuld. Der ältere Maler fafste feine Aufgabe als einfache Decoration 
auf und begnügte f1ch, dem Auge eine angenehme Abwechslung und 
Unterhaltung zu bieten. Er ging aus dem gewohnten Geleife nicht 
heraus. Das höchfte Maafs dagegen legte der von der Gröfse und 
Majeftät des neuen Schauplatzes feines Wirkens mächtig ergriffene 
Raffael an jede einzelne Geftalt an. Sie follte fchmuckreich ausfehen, 
aber? durch die Fülle des Ausdrucks und die Schönheit der Formen als 
felbfiändige, für {ich giltige Schöpfung des Künftlers erfcheinen. Und 
was er f1ch vorgenommen hatte, führte er auch glorreich durch. 
Die vier allegorifchen Figuren a) find gleichartig genug componirt, 
um f1e als Schmuckglieder, die {ich einem gröfseren Ganzen einordnen, 
erkennen zu laffen. Sie find jede fitzend dargeftellt, von Wolken um- 
hüllt, von Genien, welche Tafeln mit Infchriften tragen, begleitet. Wie 
immer, fo hat auch hier das feinfie Raumgefühl dem Künftler die Hand 
geführt. Die Bilder füllen den Kreis, welcher f1e umfchreibt, vollkommen 
aus. jede Geftalt zeigt aber auch eine fcharf ausgeprägte Individualität, 
im Einklang mit der von ihr verkörperten Idee. 
Milder ErnPr, fanfte Hoheit fprechen aus den Zügen der Th eologie. 
Ein Kranz von Olivenblättern fchmückt ihr Haar, ein langwehender 
Schleier umhüllt das Haupt. Mit der Linken weift {ie nach unten, wohl 
auf die gleichfam zu ihren Füfsen in dem grofsen Wandgemälde ver- 
fammelte Gemeinde; die Rechte hält ein Buch, das überdies auf ihrem 
Schenkel aufruht. Der Oberkörper ift mit einem ftumpfrothen Rock 
bekleidet, über den linken Arm und das rechte Bein wurde ein grüner, 
in breiten Falten fallender Mantel gefchlagen. Ihr zur Seite ftehen in 
ungebundener freier Bewegung zwei geliügelte Knaben, jeder eine Infchrift- 
tafel wie im fröhlichen Spiele vor {ich tragend. Die Worte auf den 
Tafeln lauten: DIVIIXIAR. RER. NOTITIA. In den beiden Knaben 
bereits den Einflufs Michelangelols zu vermuthen, der ja auch feinen 
Propheten und Sibyllen Genien zum Geleite gab, thut nicht Noth. Sie 
dürften viel eher als die höhere Stufe der reizenden Kindergeftalten auf- 
zufaffen fein, welche auf der Predella der Grablegilng die chriftlichen 
Tugenden einfchliefsen. Von dem Engel zur Rechten der Theologie 
befltzt das Musee Wicar in Lille (Br. 96) eine köftliche Handzeichnung 
Stiche 
VOll 
Morghen.
        

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