Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1530022
NIICHPIIAXNGELOS 
JUGEND. 
merkwürdig reifen Arbeit, fondern auch weil der künftige Kunftcharakter 
des Meifters bereits ziemlich deutlich anklingt. NVir erfahren zwar noch 
von anderen Jugendwerken. Aufser mehreren Zeichnungen, welche abe-r, 
wenn fie erhalten wären, höchPcens den Nachahmungstrieb und das fcharfe 
Auge des Künftlers beweifen würden, iwird eine colorirte Copie des 
Kupferftiches von Martin Schön, die Verfuchung des h. Antonius, be- 
fonders rühmlich hervorgehoben. Auch Nlarmorbilder fchuf er bereits 
in ganz jungen Jahren. Die Faunmaske, jetzt im Museo nazionale in 
Florenz, dürfte auf die gleiche Originalität Anfpruch erheben, wie etwa 
Leonardds bekannter Medufakopf. Sie fcheint nachträglich gemeifselt 
zu fein, um zur befferen Beglaubigung und als llluftration der bekannten 
von Condivi überlieferten Anekdote zu dienen. Als nämlich Michelangelo 
im Garten von San Marco einen antiken Faunkopf vortrefflich in Marmor 
copirt hatte, gab ihm Lorenzo Wagnificr) fcherzhaft den Rath, doch zur 
befferen Bezeichnung des hohen Alters einige Zähne herauszufeilen, was 
denn auch der gutmüthig gläubige Jüngling gewiffenhaft ausführte. Das 
andere in der Cafa Buonarroti erhaltene Sculpturwerk, ein Marmorrelief, 
die Madonna an der Treppe, darf mit gröfserem Recht den An- 
fpruch auf Orginalität erheben, zeigt aber doch noch überwiegend die 
Spuren der Schularbeit. Die vornehme Geftalt der Madonna, welche 
dem Kinde die Bruft reicht, das weite Gewand, die Körperformen er- 
innern an die mächtigen Frauenbilder Domenicds; die technifche Aus- 
führung, die gegen den Grund verfchwindenden Umriffe, die leifen 
Hebungen der inneren Flächen mahnen an Donatellds Weife. Ein felb- 
ftändiges Vorgehen wagt Michelangelo hier noch nicht. Defto unge- 
flümer und mächtiger bricht {ich feine Natur in dem fogenannten Cen- 
taurenkampf Bahn. Polizian, der Freund und Genoffe des medi- 
ceifchen Haufes, hatte ihm eines Tages die Fabel vom Kampfe der 
Lapithen und Centatiren bei der Hochzeit des Peirithoos mit Deidamia 
erzählt und zur plaftifchen Wiedergabe derfelben aufgefordert. Aus dem 
Bilde würde man fchwerlich diefen Inhalt errathen. Ueber der Freude 
an den kühnen Bewegungen und trotzigen Stellungen, deren Schilderung 
durch den Gegenftand felbft geboten war, vergafs Michelangelo den be- 
fonderen hiftorifchen Vorgang deutlich zu machen. Er fchwelgt hier im 
Nackten, wie Ier in fpäteren Jahren an gewaltigen, plafiifchen Formen, 
welche durch Gröfse und innere Leidenfchaft über das Leben weit hin- 
ausragen, {ich beraufcht. Keine Rüftung, kein Gewand hemmt ihn. Die 
Fault, zuweilen mit einem Steine bewehrt, bildet die einzige Waffe. 
Michelangelo bClltZt im doppelten Sinne keine Jugend. Er hat niemals 
das Glück harmlofer ungebundener Fröhlichkeit gekannt, er hat auf der
        

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