Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1531992
DER 
INHALT 
DER 
F RESKEN. 
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eine andere 1523 verbreitete Schrift: Bruder Heinrich von Kettenbachs 
Practica. In diefer Flugfchrift werden vornehmlich die Reichsftädte und 
Linter ihnen in erfter Linie Nürnberg verwarnt, llCmiFIht durch falfche 
Propheten bethören zu laffen, vielmehr auf den Rath der Apoftel zu 
hören, aufPaulus, der da mahnt, all Ding zu bewern und behalten was 
gut iPc, und auf Johannes," welcher auffordert, die Geift zu bewern ob 
fie aus Gott find. Auch Dürefs Bild war eine dem Nürnberger Rath 
gewidmete Vermahnung. Er fchildert in feinen Hauptfiguren diefelben 
Apoftel, welche Bruder Heinrich von Kettenbach vorführt, er legt dem 
Johannes die gleichen Worte fogar in den Mund wie Kettenbach. Wer 
wollte den Zufammenhang zwifchen Schrift und Bild, zwifchen Dürer 
und Kettenbach bezweifeln? wer ift nicht überzeugt, dafs Dürer die Hoff- 
lichen Anregungen zu feinem Apoftelgemälde aus einem literarifchen 
Producte geholt hat? Trotzdem bleibt die Qriginalität des Düreffchen 
Werkes vollkommen aufrecht und ift der Künftler, der Künftler allein fein 
Schöpfer. Gerade fo verhält es {ich mit Raffaefs Fresken in der Stanza 
della Segnatura. Auf Geheifs des Papftes gab ein gelehrter Römer die 
Gegenftände der Darftellung in allgemeinen Zügen an. Damit war aber 
für die künitlerifche Durchführung noch nicht das Geringfte gethan, ob 
die Bilder werthvoll oder werthlos ausfallen würden, noch gar nicht ent- 
fchieden. Ihr künftlerifches Dafein, und das ift das einzig Wefentliche, 
verdanken fie ausfchliefslich Raffael, und fein perfönliches Verdienft iPt 
und bleibt es, dafs fle nicht blos den Verftand anfprechen, fondern vor- 
zugsweife das Auge und die Phantafle des Befchauers erfüllen und in 
diefem einen poetifchen Wiederhall wecken. 
Die Zeitfolge der Ausführung wirft kein neues Licht auf die innere 
Entwickelung des Gedankenkreifes, welchen die Fresken in der Stanza 
della Segnatura fchildern. Wohl bemerken wir den Fortfchritt Raffaefs 
während der Arbeit in der Wahl der Formen. Die Geflalten werden 
inimer freier und mächtiger, die Charaktere immer ausdrucksvollen Auf 
der andern Seite entdecken wir in den Studien zur Disputa ein unflcheres 
Taften, ehe die endgiltige Anordnung der Gruppen gefunden wurde. 
In den Deckenbildern hallt noch da und dort, befonders in den Kinder- 
figuren diemflorentiner Kunftweife und Fra Bartolonlmeds Einflufs nach. 
Wir verfolgen das ftetigemWachsthum feiner perfönlichen Kraft, wir 
lernen aber keine Vorfjcufen der Compofition, welche fpäter befeitigt 
werden, keinen Wechfel des Gedankenkreifes kennen.
        

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