Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1531956
DIE 
STANZA 
DELLA 
SEGNATURA. 
199 
aber zivifchen öffentlichem und privatem Leben keine fo fchroffe Tren- 
nung wie in fpäteren Jahrhunderten. Noch eine andere uns geläufige 
Scheidung wurde damals nicht ftreng durchgeführt. Was wir als monu- 
mentale Kunft preifen und als Selbftzweck auffaffen, das diente damals 
oft nur zur Decoration und mufste fich äufseren, nach unferen heutigen 
Begriffen oft nahezu unwürdigen Bedingungen fügen. Aber gerade diefe 
Thatfache erfcheint am befien geeignet, die ganz einzige Kunftblüthe 
der Renaiffanceperiode in ein helles Licht zu ftellen. Nicht allein, dafs 
chg Kunft einen wefentlichen Beftandtheil der Lebensluft aller Gebildeten 
ausmachte und in die weiteften Kreife und felbft in tiefere Schichten der 
Gefellfchaft drang, fo war felbft für untergeordnete Zwecke das Befte 
eben nur gut genug. Auch nachdem Raffael mit feinem Ruhme ganz 
Italien erfüllt hatte, wurdg von feinen Arbeiten in den Prunkgemächern 
der Päpfte nur geringes Aufheben gemacht. Selbft feine beiden älteften 
Biogfaphen, Paolo Giovio und Giorgio Vafari, können nicht von dem 
Vorwürfe freigefprochen werden, dafs f1e die Bilder nur flüchtig betrachtet 
und ungenau befchrieben haben. Lange Zeit wurde die Kenntnifs der- 
felben vorwiegend durch Ktlpferftiche vermittelt, welche nicht immer mit 
den ausgeführten Gemälden übereinftimmen. Die grofse Maffe des vollendet 
Schönen liefsidas Einzelne zurücktreten, der unmittelbare Kunftgenufs 
drängte die genaue kritifche Zerlegung und Auseinanderfetzung zur Seite. 
Wir Nachgeborenen können uns diefer letzteren Pflicht nicht entziehen, 
zumal die Verfäumniffe der Zeitgenoffen, genau zu befchreiben und zu 
berichten, manche Unklarheit hervorgerufen haben. 
Als Raffael das Werk im Vatican in Angriff nahm, fanden fich 
bereits in__ allen drei Stanzen Anfänge des Bilderfchmuckes vor. In der 
Kammer, in Welcher Raffael zuerft auf dem neuelf Schauplatze feine 
Kraft erprobte, war ihm Giovanantonio Bazziiggenannt Sodvogra, voran- 
gegangen. Die Kammer liegt zwifchen dce-ndbeiden anderen und führt, 
weil fpäter hier in Gegenwart der Päpite die Gnadenfachen verhandelt, 
die bewilligten beflegelt wurden, den Namen: Stanza della Seg- 
natura. Weder über die Gegenftände noch über die Ausdehnung 
der Malerei Socloinals find wir genau unterrichtet. Denn nach Vafarfs 
Erzählung liefs der Papi": das Meifte davon wieder abfchlagen, um für 
Raffaefs Schöpfungen vKaum zu gewinnen. Ntqir geringe Refte der Decken- 
malerei blieben beftehen; im Scheitel  des Gewölbes das päfiftliche Wappen 
im Kündewumgeben von Engeln, welche in ähnlicher Weife, wie es Melozzo 
da Forli und Mantegna liebten, in Unterficht dem Auge {ich zeigen, und 
Relazione 
della 
Corte 
Roma 
1664-
        

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