Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1531901
Raffael 
in 
Rom 
unter 
Julius 
ie gangbare Tradition weckt den Schein, als wäre Michel- 
  angelo zu der Zeit, da Raffael zuerft die Schwelle des 
   Vaticans überfchritt, längft in Rom eingebürgert gewefen. 
l-g  Rechnet man aber die vielen Monate ab, die Michelangelo 
 in den Steinbrüchen von Carrara zugebracht, und ferner 
den langen Aufenthalt in Bologna, fo findet man, dafs beide Meifier ihre 
Thatigkeit beinahe gleichzeitig in Rom begannen. Michelangelo Pcand 
bereits mehrere Jahre in den Dienften des Papftes, ebenfo lange kannte 
er auch die beiden grofsen Aufgaben, welche ihm der Papfl geftellt hatte. 
Schwerlich aber war er mit feinen Arbeiten in der Sixtina gegen Raffaels 
früheftes Werk im Vatican bedeutend im V orfprung. Damit find alle 
Atelieranekdoten über die Rivalität zwifchen Michelangelo und Raffael 
abgefertigt, insbefondere die Fabel befeitigt, als ob erPc das Wohlgefallen 
des Papftes an den vaticanifchen Gemälden Raffaels den Entfchlufs, auch 
die Decke der Sixtina ausmalen zu laffen, geweckt, oder als 0b Michel- 
angelo feine Weigerung mit dem Hinweis auf den viel geübteren Raffael 
begründet hätte. Wie kam Raffael nach Rom? Die Antwort mufs zu- 
nächft bei Vafari gefucht werden. Der Aretiner fpricht zu wiederholten. 
Malen von den Anfängen Raffaels in Rom. Wenn er es nur gelegentlich 
und nebenbei in den Biographien anderer Künftler thut, dann freilich 
hören wir ihm mifstrauifch zu. Als echter Pragmatiker unterordnet er 
gern die Staffage fchlechthin dem Effecte der Hauptfiguren und farbt 
alle Nebenumitande, wie es für feine Zwecke gerade paffend erfcheint, 
und nicht wie jene {ich in der Wirklichkeit darftellen. In der Biographie, 
wo Raffael felblt den Haupthelden fpielt, fallen aber diefe Verfuchungen, 
von der genauen Wahrheit abzuweichen, fort. Und wenn er hier wie 
dort, fo oft er auf den Anlafs der Berufung Raffaefs nach Rom zu fprechen 
kommt, in einem wefentlichen Punkte flch treu bleibt, fo mindert das 
nicht feine Glaubwürdigkeit. 
Als Anlafs der Berufung Raffaefs aber giebt Vafari Folgendes an:
        

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