Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1531884
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DIE 
DECKENBILDER 
DER 
SIXTINIS CHEN 
KAPELLE. 
gemalt worden find. Auch erfcheint es ebenfo gut möglich, dafs der 
Künftler im Verlaufe des NVerkes dem Drange feiner Natur nachgab und 
eine gröfsere Tiefe und mannigfaltigeren Reichthum der Empfindung den 
Geftalten einhauchte, wie dafs er, der Stellung diefer Figuren an der 
Decke fpäter fchärfer bewufst, Iie mit der architektonifchen Umgebung 
s- enger verband. Eiptönig hat er fle aber niemals gebildetfk) 
Die hier beobachtete Ordnung der Schilderung entfpricht nicht noth- 
wendig dem zeitlichen Fortgang der Arbeit, f1e bietet aber dem Betrach- 
tenden den Vortheil, dafs f1e ungezwungen zu den noch übrigen, rein 
decorativen Geftalten überleitet. Diefe finden fich in den dreieckigen 
Flächen über den Gewölbekappen, dann, wie bereits erwähnt, paarweis 
verbunden als Stütze der Poftamente und endlich zu unterfl als Träger 
der Infchrifttafeln. Auf dem äufseren Rande der Gewölbekappen, deren 
Scheitel durch einen Stierkopf gefchmückt ift, fitzen je zwei bronzefarbige 
Männer. Sie halten Fruchtfchniire in den Händen, welche von den Stier- 
hörnern ausgehen oder ftützen und Pcemmen {ich gegen den Bogen an, 
erfcheinen bald ruhend, bald in lebendigfter Bewegung, als hätten fie 
Antheil an den Kräften, Welche die Gewölbefpannung tragen. Die zu 
einem Felde gehörigen Figuren {ind identifch gezeichnet, fie wechfeln 
aber in Stellung und Geberde in jedem ieinzelnen Felde, fo dal's dem 
plaltifchen Geftaltungsfinne der reichfle Raum offen blieb. Michelangelo 
fchuf zwölf Gruppen, in welchen die prachtvollften Lagen verkiörpert 
werden. Sie neigen alle zum Mächtigen und Gewaltigen, während die 
Kinderpaare unter den Poftamenten und die in natürlichen Farben gemalten 
Knabenfiguren unter den Propheten einen ruhigen, faft heiteren Zug 
verrathen. Auch hier ilt jede Wiederholung vermieden, in die ver- 
fchiedenen Gruppen und Ceftalten ein immer neuer Wechfel gebracht. 
Die Kinclerpaare ftrecken die Arme in die Höhe, ftehen wie Karya- 
tiden geradaus, kehren flch die Leiber zu, treiben Spiel und unfchuldige 
 Handzeichmlngexi zu den Fresken 
haben frch in verhältnifsmäfsig gröfserer 
Zahl erhalten, viele darunter fmd freilich 
Copien oder erfl nach den Bildern 
gemacht. Aufser den Fragmenten eines 
Skizzenbuches in Oxford und Florenz 
(Br. 187) verdienen befondere Er- 
wähnung: die Röthelzeichnung Adam's 
bei Malcolm (Ph. N0. 21), die Skizzen 
zu den Figuren auf Poftamenten in 
Chatsworth (Br. 2 5), Florenz (Br. 189, 
190), Wien (Br. 36), theils mit Röthel, 
theils mit der Kreide gezeichnet, die 
Variante der ehemen Schlange in 
Oxford (B17 2 l, die Skizzen zur libyfchen 
Sibylle in Florenz (Br. 19 3) zu einer 
nicht ausgeführten in Oxford (Br. 7 3), 
die Zeichnungen zu den Lunetterlfiguren 
in Chatsworth (Br. 47), Oxford (Br. 70 
u. 7 r). Mehrere in England befindliche 
Zeichnungen find bis jetzt nicht publi- 
cirt worden.
        

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