Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1531869
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DIE 
DECKENBILDER 
DER 
IN 
SIXTINISCHEN 
KAPELLE. 
laffen. Noch kunftreicher wird in den Lunettenbildern die unmittelbare 
Verbindung zwifchen der figürlichen Darftellung und dem räumlichen 
Grunde gefchaffen. Die Curve, welche der halbkreisförmige Fenfterbogen 
bildet, giebt die Bafls für den Sitz der einzelnen Figuren ab. Diefe felbft 
fmd dann auch in freier NVeife Pcets fo angeordnet, dafs fie den Raum 
der Lunetten ebenmäfsig füllen und den Eindruck machen, als wären 
fxe nur aus Rückficht auf die architektonifchen Linien fo gezeichnet 
worden. Sie erfcheinen als die reichfte Belebung des Raumes, offenbaren 
damit ihre decorative Natura 
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Den letzten äufserPten Ring des Bilderkreifes in der Sixtina bilden 
die rein decorativen Figuren. Unter ihnen feffeln die fitzenden nackten 
Geftalten auf den Poftamenten zu beiden Seiten der Mittelfelder durch 
die Fülle der Charakterifiik und die Formenfchönheit unfere befondere 
Aufmerkfamkeit. Ihre materielle Function iPc einfachfter Natur. Sie lind 
zu zwei einander zugefellt und halten mit Bändern oder Schnüren zwifchen 
iich mächtige Bronzemedaillons, auf welchen, jetzt nicht mehr ganz deut- 
lich, (biblifche i) Vorgänge abgebildet waren. (Fig. 57.) Doch nehmen {ie 
diefe Aufgabe nicht ernft. Alle {trotzen von jugendlicher Kraft, und diefe 
Lebensfülle, die tiberzufchäumen droht, die Bewegung der {tolzen Glieder 
zum Genufs erhebt, auszudrücken und zu verkörpern, erfcheint als ihr 
wefentlichfter Zweck. Gleich die beiden erften Paare, welche die Schöpfung 
des Lichtes einrahmen, tragen fie nicht wahre Prachtkörper zur Schau, 
fpricht nicht aus ihnen der helle Jubel urwüchiigen Dafeins? Die Be- 
wegung jeder einzelnen Geftalt ift rhythmifch empfunden, die Stellungen 
der zufammengehörigen Figuren werden durch anmuthigen Contraft 
gehoben. 
Hier hat im Uebermuth des Lebensgenuffes der eine Jüngling ein 
Bein unterfchlagen, einen Arm um den Kopf gelegt und {treckt fo den 
Körper behaglich aus. Der ihm gegenüberfitzt, neigt den Oberleib nach 
vorn und wendet das Gelicht rückwärts. Ganz andere, theilweife ent- 
gegengefetzte Muskeln werden in das Spiel gebracht. Dort (auf der 
andern Seite) hält der Eine die Beine auseinander und greift mit einem 
Arme nach rückwärts, fein Gegenmann fchiebt das eine Bein unter das 
andere und läfst die Arme in zuwartender Stellung linken  nebenbei 
gefagt eine der fchönften, vielfach an den Adam erinnernde Figur der 
ganzen Reihe. 
Von nahezu bacchantifcher Fröhlichkeit ergriffen ftellt {ich im nächften
        

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