Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1530000
MICHELANGELOS 
JUGEND. 
den jugendlichen Künftlern, das englle zu Michelangelo, welcher im Palaft 
Medici geradezu als Hausgenoffe angefehen wurde. 
Nur zu bald löfte der Tod Lorenzds (1492) diefes Band. Zwar 
wohnte Michelangelo auch zu Piero Medicfs Zeiten im Palafle und zählte 
zu dem engeren Familiengefolge. Piero verftand es aber nicht, Freunde 
zu bewahren und Anhänger zu gewinnen. Er befafs nur Diener. Die 
überfeinerte Erziehung, welche der Vater ihm angedeihen liefs, brachte 
grobe Früchte. Da war ihm in feinem Knabenalter von Polizian und den 
anderen Lehrern fo viel von den Tugenden der Ahnen, ihrem Hochfinn, 
ihrer Grofsmuth und Humanität vorgeredet worden, dafs er es kurz- 
weiliger fand, durch rohe Sitten, gemeine Neigungen, hochfahrendes 
Wefen aufzufallen. Ein fpanifcher Schnellläufer war ihm gerade fo viel 
werth wie Michelangelo. Kein Wunder, dafs diefer {ich feinem Gönner 
entfremdete, gerade fo wie flch die Florentiner von der Familie im I-Iaffe 
abgewendet hatten, und als er die Gefahr merkte, welche dem Haufe 
Medici drohte, auf die eigene Rettung bedacht war. Er wartete nicht 
den Volksüurm ab, welcher Piero Medici verjagte, fobald König Carl VIII. 
mit feinem Heere den Mauern von Florenz {ich näherte. Die Vifion 
eines Hausgenoffen, welchem Lorenzo im Traume warnend erfchienen 
war, beflimmte ihn im Herbfte 1494 zu plötzlicher Flucht. Die Ereig- 
niffe beftätigten die Richtigkeit diefes Entfchluffes. Doch hatte ihn dabei 
nicht fo fehr die ruhig verftändige Ueberlegung geleitet, als vielmehr ein 
dunkler Drang erfafst, eine mafslofe Empfindung, die gar keinen anderen 
Gedanken aufkommen liefs, unwiderftehlich gepackt. Gar oft noch in 
feinem Leben wurde Michelangelo einer plötzlichen Seelenregung unter- 
than und von der Gewalt der Leidenfchaft, die {ich merkwürdiger Weife 
mit einer faft übermäfsig zarten Empfindung paarte, getroffen und fafste 
entfcheidende Befchlüffe unter ihrer unmittelbaren Herrfchaft. Diefe unend- 
liche Reizbarkeit wendete einzelne Augenblicke feines Lebens tragifch, fie 
verlieh aber feiner Phantafie und feiner Hand die Kraft, jene überwältigen- 
den Geflalten zu _fchaffen, welche gleichfalls von einem einzigen inneren 
Impulfe gewaltfam getrieben erfcheinen. Er zahlte die künftlerifche Meifler- 
fchaft mit menfchlichem Glücke. 
Wie hervorragende Züge feiner Perfönlichkeit, fo zeigen üch auch 
wefentliche Merkmale feiner künPclerifchen Natur fchon in früher Jugend 
ausgebildet. Unter den Erftlingsarbeiten Michelangel0's nimmt das 
Marmorrelief, welches als Kampf des Hercules mit den Centauren be- 
zeichnet wird, unbedingt _den erften Rang ein, nicht allein wegen der
        

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