Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1531676
DIE 
N OAHBILDER. 
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zu erreichen. Ein Haufen von Männern und Weibern, die {ich mit 
allerhand Hausrath, Banken, Täpfen, Pfannen, Bettzeug beladen haben 
Lind; das Ufer anfteigen, fchliefsen die Scene auf der linken Seite des 
Bildes ab. Auf der Gegenfeite entwickeln {ich auf einer aus dem Waffer 
hervorragenden Fäelsplatte ähnliche, nur im Affecte noch höher gefieigerte 
Vorgänge. Eine zahlreiche Familie drängt {ich hier unter der Leinewand 
zufammen, die gegen die Regengüffe quer ausgefpannt worden. Nicht 
alle Glieder hatten {ich zu rechter Zeit noch retten können. Wir fehen 
in den Fluthen einen Mann {ich nähern, der einen leblofen Körper in 
den Armen herbeifchleppt, den Leichnam des Sohnes und Gatten, welchem 
ein Greis und eine Frau verzweiflungsvoll die Hände entgegenfltrecken. 
Hart am Rande des Felfens haben {ich mehrere Jünglinge niedergelaffen, 
derieine im Uebermafs der erduldeten Leiden fchon {tumpf geworden, 
die anderen neugierig blickend, 0b es den noch im Waffer befindlichen 
Gefährten gelingen werde, das {ieile F elfenufer zu erklettern. Diefe 
letztere Epifode bringt namentlich den florentiner Schlachtcarton in nahe 
Erinnerung. Im Mittelgrunde treibt {ich eine {teuerlofe Barke herum. 
Auch fie ift von Flüchtlingen erfüllt. Immer aber drängen noch andere 
nach, klammern {ich an den Rand und bringen das Schiff in Schwanken. 
Diefen Eindringlingen fetzen flch die andern zur Wehre, felbft ein Weib 
hat eine Keule ergriffen und fchlägt mit aller Gewalt auf einen Mann 
los, der bereits mit dem halben Leibe tief in das Schiff hineinragt. 
Dennoch erfcheint jede Mühe und jede vom Triebe der Selbüerhaltung 
dictirte Kraft vergeblich und das Schickfal aller diefer Menfchen bereits 
befiegelt. Im nächften Augenblicke find {ie fämmtlich von den Fluthen 
verfchlungen, und nur die Arche in der Tiefe des Bildes, ein gewaltiger 
Holzbau mit vorfpringendem menfchenbefetzten Borde, ftreicht ruhig 
durch den Strom, und über der Arche fchwebt die Taube als Zeichen 
des Friedens und der Verföhnung.  
Das letzte neunte Bilid der Mitteldecke fchildert die Vterfpottung 
des trunkenen Noah durch Cham. Der Erzvater, über deffen vorher- 
gehende Thätigkeit der {tattyliche Weinkrug zur Seite aufklärt, ruh_t__ ent- 
blöfst im tiefften Schlummer. Der Künftler hat ihm die Lieblingslage 
gegeben. Das eine Bein iPc angezogen, der eine Arm als Stütze ver- 
wendet, das andere Bein und der andere Arm dagegen erfcheinen in 
behaglicher Weife, gelöft von jeder Spannung, ausgeftreckt. So wird 
die vollkommendfte Rhythmik der Bewegung gewonnen. Vor Noah 
{tehen in eng verfchränkter Gruppe Cham und Japhett Cham, welcher 
auf den Schläfer lachend weilt, Japhet, der den Bruder anfafst, um ihn 
Von diefem Schaufpiele abzuziehen. Sem aber beeilt fich, die Blöfse
        

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