Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1531640
168 V. DIE DECKENBILDER 1N DER SIXTINTSCHEN KAPELLE. 
Schwerte ilt der Schlange, dem Verführer, fo nahe gerückt, dal's flch 
ihre Leiber theilweife decken. Abgefehen von dem Gebote formaler 
Einheiutf welches diefe Anordnung fordert, wäre man beinahe verfucht 
zu "glauben, der Künftler habe damit die unmittelbare Nähe der Schuld 
und Strafe andeuten wollen. Nicht in derfelben Weife nehmen die beiden 
Sünder die über He verhängte Verbannung auf. Während Adam die 
beiden Arme zur Abwehr der drohenden Waffe gegen den Engel kehrt, 
 übrigen aber refignirt, von der Unabwendbarkeit des Schickfals 
überzeugt, vorwärts fchreitet, erfcheint Eva von Schrecken und Scham 
ergriffen. Sie blickt angfterfüllt zurück, der Kopf ift auf die Bruft 
herabgefunken, die Arme flnd an den Leib gedrückt, die Füfse unlicher 
auftretend. Die Empfindung des Schmerzes über die eigene Schuld 
und über den Verluft des Paradiefes macht {ich in dem Weibe 
rückhaltlos 
Luft. 
Den Inhalt des f ieb enten Bildes gibt Condivi (und ähnlich Vafari) 
mit folgenden Worten an: vEs ift das Opfer Abels und Kains dar- 
geftellt; jenes Gott wohl und angenehm, diefes verhafst und verworfenmi 
Mit diefer Befchreibung will aber das Bild nicht recht ftimmen. Man 
vermifst die Gegenüberftellung der beiden Brüder, man fucht vergebens 
nach Kain undffeinem Getreideopfer. Vor dem Brandaltare, deffen 
Flammen von einem Knechte gefchürt werden, ftehtdein Patriarch, von 
einem älteren und einem jüngeren Weibe begleitet. Nackte Männer 
bereiten das Opfer. Der eine fltzt rittlings auf einem Widder und greift 
nach der Schale, die ihm ein zweiter Mann haftig reicht, um in derfelben 
das Blut des Opferthieres aufzufangen. Zwei andere Männer fchleppen 
noch einen Widder und Holz herbei, im Hintergrunde links aber ift eine 
Thiergruppe (Elephant, Rind, Pferd) zu fchauen. Der ganze Vorgang, 
in welchem wieder die nackten Körper die iichtliche Wonne des Künftlers 
bildeten, erinnert mehr an die biblifche Schilderung von Noahs Dankopfer. 
Dazu kommt, dafs in Raffaels Loggienbildern, deren Abhängigkeit von 
den Deckengemälden in Oder Sixtina ifeftfteht, die Compofition Michel- 
angelds offenbar für Noahs Opfer verwendet wurde. Endlich mufs 
man anerkennen, dafs diefe letzte Scene den Bildercyklus, der die 
Schöpfung, den Sündenfall und die Verheifsung der Erlöfung fchildert, vor- 
trefflich abfchliefst. Freilich follte dann das Gemälde an das Ende verlegt 
werden. Offenbar haben äufsere Gründe, die Rücklicht auf die Raumver- 
hältniffe Michelangelo beftimmt, von der hiftorifchen Ordnung abzuweichen. 
Das achte Bild, das figurenreichfte der ganzen Reihe, führt die 
Schrecken der Sündfluth vor Augen. (Fig. 53 u. 54.) Nach dem Verluft des 
Schlachtcartons erfcheint diefes Gemälde am beflen geeignet, uns einen
        

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