Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529986
 I. MICHELANGELUS JUGEND. 
idurch die Anfchauung ihres inneren Lebensfeuers gebannt wird. Michel- 
angelo und Raffael haben keine neue Grundrichtung der italienifchen 
Kunft begonnen. Ihre Natur kehrt ungefähr und beiläufig bei einzelnen 
ihrer Kunitgenoffen wieder, fo dafs ein nothdürftiges Bild ihres Wirkens, 
eine Ahnung ihrer Ziele auch durch die Erkenntnifs der letzteren ge- 
wonnen wird. Perugino, Fra Bartolommeo, Sodoma vereint laffen Raffaefs 
NVefen errathen, Signorelli erinnert in Einzelheiten an Michelangelo. 
Die Spitze der Entwickelung wäre aber abgebrochen, die Sonnen- 
höhe nicht erreicht, wenn auf Michelangelds und Raffaefs Thaten ver- 
zichtet werden rnüfste. Diefe beiden Männer find es auch, welche die 
Hauptftadt der italienifchen Kunit von Florenz nach Rom verlegten und 
damit das Ende aller felbftändigen Lokalfiile herbeiriefen. Sie felbft 
nahmen aber noch ihren Ausgangspunkt von der Horentiner Kunft. Von 
Raffael mufs es erft bewiefen werden, da die gangbare Ueberlieferuxig 
auf die umbrifche Herkunft das gröfste Gewicht legt. Wie innig Michel- 
angelds Kunft und auch Michelangelds Leben mit den Schickfalen der 
florentiner Staatsgemeinde verknüpft ifl, in welche widerfpruchsvolle Lage 
er wiederholt dadurch gerieth, dafs er dem Haufe Medici zu Dank ver- 
pflichtet war und dennoch das ganze Gefchlecht, die Verderber feiner 
Heimath, haffen mufste, haben bereits die älteften Biographen des Meifters, 
der Aretiner Giorgio Vafari, welcher 1550 zum erften Male feines 
Lehrers Leben befchrieb, fowie Asc anio C ondivi, der in feinem Buche 
über Michelangelo, I 553, Vafarfs Nachrichten vielfach ergänzte und ver- 
befferte, ausführlich erzählt.  
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Am 6. März 1475, an einem Montag, um die vierte Stunde vor 
Tagesanbruch wurde in Caprefe, im oberen Tiberthale, dem Lodovico 
di Leonardo Buonarroti Simoni ein Sohn geboren, welcher den Namen 
-Michelangelo empfing. Der Vater verwaltete im Namen der Republik 
eine Richterftelle in Caprefe und Chiufi; nach Ablauf der Amtszeit, welche 
nur fechs Monate dauerte, kehrte er wieder nach Florenz, der alten 
Heimath feiner Familie, zurück. Von dem alten Lodovico Buonarroti 
weifs die Gefchichte des Sohnes manches zu erzählen. Ein Handwerk, 
wie er einmal Lorenzo Medici ruhmredig bemerkte, hatte er niemals er- 
lernt; er lebte von dem E-rtrage der Güter, welche ihm feine Vorfahren 
hinterlaffen hatten. Und da diefe gar geringfügig waren und auch das 
Amt, welches ihm die GunPt Lorenzo Medicfs verfchafft hatte, eine Zoll- 
fchreiberflelle, wenig eintrug, fo blieb er zeitlebens dem Sohne zur Lafl. 
Doch vergafs er niemals feine warme Sorge für des Sohnes Wohl zu
        

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