Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1531507
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DECKENBILDER 
DIE 
DER 
SIXTINISCHEN 
KAPELLE. 
jetzt aber verdient betont zu werden, dafs es Roms Einflufs war, welcher 
das Erfaffen grofser und kühner Gedanken erleichterte. Hier lebt man 
in der Genoffenfchaft der betten Männer des Alterthums, hier athmet 
man eine weltgefchichtliche Luft. Alles Kleine und Gewöhnliche erfcheint 
doppelt klein und gewöhnlich, das Grofse und Machtvolle dagegen wie 
felbftverftändlich. Ein wie geringer Vorrath von künftlerifchen Gedanken 
genügte doch eigentlich dem Haushalte der älteren Florentiner! Das 
Leben der Maria, des Johannes und insbefondere des heiligen Franciscus 
erfüllte vorzugsweife ihre Phantafle. Sie wurden nicht müde, daffelbe 
zuhfchildern, immer und immer wieder diefelben Scenen zu malen. Wie 
oft ift z. B. das Begräbnifs des heiligen Franciscus dargeftellt, der Vor- 
gang mit geringen Abweichungen dann noch auf andere Heilige (Auguftin, 
Fina) übertragen worden. Diefe Beharrlichkeit verdient durchaus keinen 
Tadel. Die Hellenen waren einen ähnlichen Weg gegangen. Sie wieder- 
holten unverdroffen einige wenige Geftaltentypen, bis fie der plaftifchen 
Formen und Bewegungen vollkommen Herr wurden und die Bildungs- 
gefetze des menfchlichen Leibes in voller Klarheit fchauten. Auch für 
die älteren Italiener wurde die Befchränkung auf einen engeren Dar- 
ftellungskreis zu einer vortrefflichen Schule. Die Sorge, anfchaulich zu 
erzählen und deutlich und verftändlich zu fchildern, plagte fie nicht. Die 
häufige Wiederkehr derfelben Scenen hatte den Inhalt abgefchliffen und 
zum Gemeingut der Volksphantaiie gemacht. mDie Künftler durften 
ungehemmt ihre Kraft und ihre Aufmerkfamkeit den formellen Seiten 
des Werkes zuwenden, die yollendung des Ausdruckes, der Farbe, der 
Zeichnung anitreben. Mit demiUebertritte der Kunft nach Rom erfcheint 
die Schule gefchloffen. Im Befitze der Vollkraft kennt der Künftler 
keine inhaltlichen Schranken. Univerfell, frei von jeder localen Befonder- 
heit, wie ihre Formenfprache geworden war, ebenfo allumfaffend wurde 
der Darftellungskreis, fchöpferifch in jener fmd {ie auch von tiefflnniger 
Erfindungskraft in den Gegenftänden der Schilderung. Michelangelo und 
Raffael in Rom haben der Malerei eine viel reichere Summe neuer und 
grofser Gedanken zugeführt, als das ganze vorhergehende Jahrhundert. 
Ueber den Fortgang der Arbeit Michelangelds ünd wir durch feine 
Briefe an den Vater und an den Bruder Buonarroto gut unterrichtet. 
Michelangelo begann diefelbe am I0. Mai 1508. Er entwarf zunächPc 
 Sonnabend vor Pfingften waren 
bereits die Gerüße aufgefchlagen. Dia- 
rium des Paris de Grafüs cit. v. 
Gaz. d. b. a., 2 m" pör. XXV. 
E. Müntz. 
3 8 6.
        

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